VHS Kurse zum Bastone in München

Tobias Zimmermann bietet in den kommenden Wochen einige kostenlose (!) Schnuppertermine zum genuesischen Spazierstock an der VHS in München an.
Einen regelmäßigen Termin wird es dann im Anschluß auch noch geben.

Ihr Glücklichen in München!

Damit auch nichts verloren geht, habe ich Euch seine Ankündigung von Facebook hier mal reinkopiert:

„Das Herbst-/Wintersemester bei der VHS steht an. Diesmal wird der Fechtboden in Unterhaching, Germering und Unterföhring Kurse bzw. Workshops anbieten. Im Folgenden die Themen und, soweit bereits vorhanden, Möglichkeiten zur Anmeldung:

Unterhaching:
Fechtkunst aus Bayern: Säbel nach Ludwig Hornstein
Ab 14.10.2019, je um 18:30 Uhr.
(https://www.vhs-unterhaching.de/…/B16570/…/details/kat/224/…)

Unterföhring:
Bastone Genovese, eine italienische Stockkampfkunst
Kostenlose Schnupperstunden:
16.09.2019, 19:00 – 20:00 Uhr
(https://www.vhs-nord.de/…/Baston…/nr/Q1690S/bereich/details/)

21.09.2019, 14:00 – 15:00 Uhr
(https://www.vhs-nord.de/…/Basto…/nr/Q1691UF/bereich/details/)

21.09.2019, 16:00 – 17:00 Uhr
(https://www.vhs-nord.de/…/Basto…/nr/Q1692UF/bereich/details/)

Workshop:
16.11.2019, 10:00 – 14:00 Uhr und 17.11.2019,
10:00 – 14:00 Uhr
(https://www.vhs-nord.de/…/Bastone…/nr/Q1630/bereich/details/)

Germering:
Bastone Genovese. eine italienische Stockkampfkunst
12.10.2019, 10:00 – 14:00 Uhr
(wird noch ausgeschrieben)“

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Ankündigung: The Noble Science Germany III

Dieses Jahr bin ich auch wieder auf dem Noble Science Germany, ausgerichtet von Zornhau bei Frankfurt am Main.
Gewünscht ist wieder eine Einheit zum Savate Genovese und die sollen sie natürlich auch bekommen.
Wenn Ihr dabei sein wollt oder euch nochmal genauer informieren wollt, was das nochmal war, folgt einfach dem Link zur Anmeldung.

Wer sich immernoch unsicher ist, kann hier nochmal den Rückblick zum ersten Noble Science Germany nachlesen.

Ich freue mich auf alte Freunde, neue Gesichter und ein paar spannende Themen, die ich leider nicht vorweggreifen darf, bis Oktober alle zusammen!

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Bastone Genovese = HEMA?

Bevor ich das beantworte, schauen wir uns erst einmal an was HEMA eigentlich ist. Für mich ist es im Grunde sehr einfach und dennoch ist es das anscheinend nicht. Jeder definiert HEMA für sich ein wenig anders, lässt verschiedene Aspekte schwerer wiegen als andere und erweitert oder verringert so die Schnittmenge.

Das Akronym HEMA steht für historical european martial arts, also historisch, europäische Kampfkünste. Nach meiner bescheidenen Auslegung handelt es sich dabei um Kampfkünste oder Kampfsportarten (in Deutschland unterscheidet man hier gerne, in anderen Ländern bzw. Sprachen ist dies nicht so strikt getrennt, aber darum soll es hier nicht gehen, es macht auch keinen Unterschied), die europäischen Ursprungs sind (Nordamerikanische Systeme, die Einwanderer mitgebracht haben zähle ich z.B. auch dazu). Der Knackpunkt dürfte aber für viele das „Historische“ sein. Allgemein heißt es, dass es keine direkte Lehrlinie mehr gibt, sodass aus anderen Quellen, zumeist Büchern mit ausreichend Inhalt rekonstruiert werden muss. Das heißt für mich, dass eine unzureichende Quellenlage wie etwa bei römischer Gladiatur (Wikingern etc.) kein HEMA ist (klar ist es historisch (im Sinne von alt), europäisch und eine Kampfkunst und auch die Lehrlinie ist unterbrochen, aber die Möglichkeit einer validen Rekonstruktion ist meiner Meinung nach nicht gegeben. Solche Themengebiete von denen es genug gibt finden sich bei mir unter dem Begriff der experimentellen Archäologie wieder. In letzter Konsequenz ist HEMA eine Teilmenge dieser Archäologie, aber nicht umgekehrt.

Säbel- und Degenfechten des 19. Jh. Bilden ebenfalls einen Sonderstatus. Die eigentlichen spezialisierten Systeme und Methoden, die uns die alten Fechtmeister hinterlassen haben, müssen rekonstruiert werden, denn eine direkte Lehrlinie für diese spezielle Art gibt es im Normalfall auch nicht mehr. Aber das moderne Sportfechten folgt immer noch den Grundsätzen und der Nomenklatur, die es damals bereits gab. Für die breite Masse ist es einfach HEMA, ich selbst benutze auch gerne den Begriff Klassisches Fechten, der häufig für modernes (nicht elektronisches) Fechten benutz wird welches weniger auf den modernen Turnierkampf ausgerichtet ist als auf die alten Grundlagen, die von einer scharfen Auseinandersetzung ausgehen.
Wenn man sich die Entwicklung ansieht, die HEMA in den letzten Jahren in Bezug auf internationaler Ebene, Turniere, Verbände etc. hingelegt hat, erinnert es an den Weg den das damalige Fechten Anfang des 20. Jh. vorgelegt hat. Vielleicht dauert es nicht mehr lange und wir sprechen von HEMA in Bezug auf eine internationale Szene, mit standardisierter und ausgefeilter Ausrüstung, die gezielt auf den neuen Ernstkampf, den Wettkampf hintrainiert, sowie von „Klassischem HEMA“, als deren Ursprung (denn der wahre Ursprung ist ja wie gesagt nicht mehr verfügbar), welches näher an der Quelle für einen Ernstfall trainiert, der nie wieder vorkommen wird.

An der Art wie ich das Akronym HEMA benutze kann man gut sehen, wie sehr es bereits zu einem eigenen Wort geworden ist. Genau das ist der Grund warum ich die alten Kampfkünste Genuas, die uns Fechtmeister wie Tambornini, de Scalzi und Quintino hinterlassen haben unter HEMA genovese zusammenfasse. Es ist eindeutig überdefiniert, aber ein neues Akronym wie HGMA erscheint mir unnötig und albern. Zumal es den Bezug, den es eindeutig hat, nicht mehr aufzeigt. Denn HEMA hat sich mehr noch als CMA (chinese martial arts) oder FMA (filipino martial arts) zu einem geflügelten Wort besonders im Sprachgebrauch historischer Fechter entwickelt.

Ich benutze HEMA genovese allerdings nicht für Bastone genovese aus einem einfachen Grund: Ein sehr wichtiger Punkt ist für mich nicht erfüllt: Die unterbrochene Lehrlinie. Ich lerne diese Methoden direkt von einem Lehrer, der sie selbst nicht rekonstruieren musste!
Der Dachverband für HEMA in Deutschland (DDHF) definiert HEMA unter anderem mit einer unterbrochenen oder geschwächten (was auch immer das genau bedeuten soll) Lehrlinie. Deshalb hat er im letzten Jahr auch eine Schule des TIKF (traditional italian knife figthing) unter seinem Dach aufgenommen. Mir widerstrebt das. Diese Leute haben ebenfalls Lehrer, die ihrer Lehrer hatten, keiner von Ihnen musste rekonstruierende Arbeit leisten (wir erinnern uns HEMA als Teilbereich der experimentellen Archäologie). Natürlich kann man sich kritisch mit der Geschichte seiner Kampfkunst auseinander setzten, das machen viele auch im asiatischen Bereich und es gibt genauso Fechtmeister des modernen Sportfechtens mit sehr guter Kenntnis der Fechtgeschichte, alter Fechtbücher usw., die sich kritisch damit auseinandersetzen, aber macht das ihr Training zu einer Historischen Kampfkunst im Sinne von HEMA? Meiner Meinung nach definitiv nicht. Auch wenn sich das nun negativ anhört, es wertet diese Kampfkünste eigentlich auf! Das TIKF bezeichnet sich selbst auch als traditionell und nicht als historisch. Traditionell kann man in dem Zusammenhang mit klassisch vergleichen. Der Unterschied ist, wenn man es hart definieren wollte, dass das Klassische eher eine ältere (oder veraltete) Variante der modernen Ausprägung ist und das Traditionelle sich bis heute (größtenteils) erhalten hat.

Deshalb würde ich Bastone genovese zu den traditionellen Kampfkünsten und nicht zu den HEMA zählen. Einen Begriff wie TEMA werde ich mir allerdings sparen, aber auch hier werden wir sehen was die Zeit und die Szene bringen.
Zum Abschluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass es sich hierbei um meine persönlichen Definitionen handelt.

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Letztes Training für genuesische Kampfkunst am HSZ Aachen

Am 5. Juli fand am Hochschulsportzentrum in Aachen der letzte Kurs zu den genuesischen Kampfkünsten statt. Leider ist es aufgrund der Strukturumstellungen am HSZ nicht mehr möglich mehr als immer wieder Schnupperkurse zu bieten. Wir haben es versucht. Langfristig ist das jedoch nicht das Training was ich mit meinen Leuten machen möchte.
Ich möchte mich bei allen bedanken, die fleißig dabei waren und uns über die Semester die Treue gehalten haben, ohne euch hätten wir den Kurs sicherlich schon früher beendet!
Und ein ganz besonders herzliches Dankeschön an meine Co-Trainerin Maren, Du bist die Beste!
Und lieben Dank Kerstin für das Abschiedspräsent
Der Kurs ist vorbei, aber das Training geht weiter!

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HEMA Genovese: Fechtmeistervorstelung

Für einen besseren Überblick habe ich unter HEMA Genovese ein Dropdownmenü für die verschiedenen Fechtmeister Genuas angelegt.
Dort findet Ihr jetzt neben allgemeinen auch ein paar spezielle Informationen zu einigen Autoren des 19. Jh. Die Restlichen werden im Laufe der Zeit folgen.

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Bastone a due mani

Zeitgenössische Darstellung eines Dörflers aus Ligurien mit einem der längeren „Due Mani“

Wenn der Spazierstock, das Herzstück der Sammlung ist, dann ist der Due Mani das Kernstück. Der Stock ist kein Langstock wie ein japansicher Bo, um in Japan zu bleiben, ist er mehr mit dem Jo vergleichbar. Sozusagen ein kurzer zweihändig zu führender Stock. Mit einer Länge von 125-145cm und einem Durchmesser von 3-4cm war er ein treuer Begleiter für Wanderer und Fuhrleute. Eine Erklärung für diese Länge ist z.B. ein Verbot für längere Stöcke innerhalb der Mauern der Stadt, damit man den Stadtwachen, die mit Speeren o.ä. ausgerüstet waren, nicht so leicht Paroli bieten konnte. Das Repertuar an Techniken ist aus Sicht des Spazierstocks aufgrund der Beschaffenheit stark reduziert, betrachtet man es aus der anderen Richtung, stellt man fest, dass die Techniken die Basis des Bastone da Passagio bilden. Man nutzt starke Schwünge, Stiche, die wohl in ihrer jetztigen Form durch das Bajonettieren des 19. Jh. hinzugekommen sind, agressives Voranschreiten und neben Paraden, die die Hände nicht in Gefahr bringen, diverse Schläge zu eben jenen. Fest steht, dass die Fuhrleute Genuas in dieser Methode geübt waren. Ihre Entstehungsgeschichte, für die ich keine Belege habe als die mündliche Überlieferung des Lehrers meines Maestros, ist nicht weniger reißerisch als die Entstehungsmythen asiatischer Systeme. Ob sich ein Fünkchen Wahrheit darin verbirgt, darf jeder gern für sich selbst entscheiden:
Genua besaß im 14. Jh. einen Stadtteil in Konstatinopel, dieser trug den Namen Pera und besaß eigene Mauern. Die Venezianer, die im Handel in Konkuerenz mit den Genuesen standen gingen einen Handel mit dem Sultan ein und baten ihn die Mauern Peras zu schleifen. Doch das hinderte die Genuesen nicht daran weiter fleißig Handel zu treiben. Also bat man den Sultan die Rivalen zu entwaffnen. So waren sie leichte Beute für Plünderer. Ihren Stahlwaffen beraubt, nutzten sie Stöcke aus hartem Holz, härtetden diese und wickelten sie mit Bändern und Seilen ein um gegen Klingenwaffen besser bestehen zu können. Diese nutzten sie wie zweihändig zu führende Schwerter. Sollte diese Geschichte stimmen, ist, wenn wir die Techniken mit den Fechtquellen Italiens der Zeit vergleichen, nicht mehr viel von der einstigen Methode übrig geblieben. Ein genauerer Vergleich mit einem Experten für z.B. Fiores Schwert wäre aber sicherlich spannend.

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Nachruf: THFD 2019 in Borchen

Die Säbelinteressierten

Die Messerbegeisterten

Zurück von Treffen Historischer Fechter Deutschlands . Ich muss ehrlich sagen, ich war mir nicht so ganz sicher ob es sich wirklich lohnen würde. Versteht mich nicht falsch, spanende Seminare, gute Dozenten, Diskussionsrunde, Vortrag, Turniere etc. alles super … für einen Langschwertfechter. Die Eventleitung hat sich allerdings kurz vorher noch dazu entschlossen die Seminare umzuverteilen um mehr Varianz reinzubringen, dafür ein großes Lob an dieser Stelle! Nichts desto trotz ist man als Hemaist mit spätem Schwerpunkt doch recht alleine. Doch meine Bedenken wurden nicht nur verstreut, das Wochenende war insgesamt einfach fantastisch! Ich habe viele alte Freunde wiedergetroffen auch solche, mit denen ich nicht gerechnet hatte, durchweg habe ich haufenweise neue Leute kennen gelernt oder persönlich kennen gelernt. Alle durchweg gut drauf. Egal ob aus der Pfalz, aus Budenheim, Nordhausen, usw. usw. Auf Events ist die Welt halt noch in Ordnung, auch wenn man das aus Sicht des Internets nicht immer glauben mag.
Ein großes Lob an die Borchener und Besonders Matthias für die Ausrichtung, gerade die freie Zeit auf der Wiese vor der Halle nach Veranstaltungsende mit allen Fechtern bis in die Nacht hinein hat dem THFD 2019 seinen ganz besonderen Charme gegeben.
Nachdem Heiko Große abgesagt hatte fürchtete ich schon um die einzigen Runden Contrafechten, aber auch hier wurde ich überrascht von mehr Rapieristen, als ich vermutet hätte und auch ein paar Runden Dussack waren nicht verkehrt, ich kam auf meine Kosten (Mangual gegen Mangual braucht man im Übrigen nicht versuchen, aber wenn Jan Gosewinkel fragt, wer bin ich nein zu sagen )
Am Einhandwaffenturnier habe ich gleich auch noch teilgenommen. Nach 18 Kämpfen mit HALAG-Regeln immerhin auf Platz 4 gelandet, ein schönes Einlaufen mit Waffenkontrolle war definitiv mein persönliches Highlite. Über eine Kleinigkeit habe ich mich dann aber doch geärgert, aber die laste ich keinem an. Ganz allgemein haben die Schiedsrichter einen super Job gemacht, auch wenn sie es natürlich nicht jedem Recht machen konnten. Ich trainiere zu wenig mit der passenden Ausrüstung, so war ich es nicht gewohnt mit den dicken Handschuhen zu fechten. Zweimal hintereinander habe ich trotz sauberer Parade noch etwas auf den Handschuh bekommen, würde ich öfter mit den Dingern fechten, hätte ich gewusst, dass ich anders winkeln muss, um auch die Handschuhe noch zu schützen. Ich muss also einfach sagen, dass ich nicht ordentlich vorbereitet war.
Insgesamt habe ich zwei Seminare gegeben, eins zum Coltello Genovese, und nachdem Heiko leider ausgefallen war, eins zum genuesischen Säbel nach Tambornini. Weil parallel das Langschwertturnier lief und 2-3 Seminare gleichzeitig stattfanden, waren die Gruppen sehr klein, meine noch etwas mehr als die Langschwertgruppen. Das hatte aber eine schöne Intensivität zur Folge. Vielen Dank für euer Interesse! Spaß hatten wir, trotz des ernsten Themas – alle, das ist sicher. Ein Kompliment der anderen Art war es auch, als man mir am Abend sagte, man hätte gehört, dass der Messerworkshop wohl sehr gut gewesen, ob ich den Sonntag nicht nochmal machen könnte
Jeder der nicht auf solche Veranstaltungen führt ist selber schuld!
Schöne Grüße in alle Ecken Deutschlands, von Dortmund nach Dresden, von Hamburg nach Ulm,
Es war mir ein Vergnügen!

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Übungswaffen für HEMA genovese

Eine ganze Weile war es still hier, das lag aber nicht daran, dass ich nichts gemacht hätte, allein die Extrazeit für ein paar Beiträge hat gefehlt.
Dafür habe ich andere für mich arbeiten lassen. So hat Black Fencer, ein Hersteller von Trainingswaffen aus Nylon aus Spanien, mir ein paar Geräte gebastelt, aber auch ich war nicht ganz untätig.
Die Übungswaffen von Black Fencer haben ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Natürlich sind sie nicht so gut wie Stahl, aber sie kosten auch nur ein Drittel bis die Hälfte der Pandants aus Stahl und fühlen sich in der Hand selbst sehr gut an und um Welten besser als ihre Konkurrenten aus Holz. Für den kleinen Geldbeutel, für Designvarianten, für Seminarwaffen durchaus die beste Alternative am Markt.
Stöcke und Messer brauchte ich, interessant waren passende Geräte für HEMA genovese:

Ein Übungsdegen – Für Paolo de Scalzi


Die beste Übungswaffe ist mit Sicherheit die historisch akkurate: Das Florett.
Außerdem gibt es genügend passende Degen, ob nun mit Sportdegenklingen oder auch mit schwererer für Historisches Fechten.
Weil nun aber de Scalzi immer wieder betont, dass man mit unterschiedlichen Waffen gegeneinander fechten sollte, sei es nun Degen, Säbel, Bajonettgewehr oder Speer, habe ich mich entschieden auch hierfür ein Nylon anzufragen. Der Vorteil an Nylon ist hier, dass z.B. auch das Holz der Trainingswaffen nicht unnötig in Mitleidenschaft gezogen wird.
Als Modell, dachte ich mir, nehme ich Bezug auf die Bilder des Buches, die noch ein Übergangsdesign vom Rapier zum Degen zeigen. Aber mit einer schwereren Klinge, die auch noch für kleine Hiebe taugen würde, denn reine Stoßwaffen aus Nylon sind definitiv Verschwendung. Denn es kommt im Grunde auf die Klinge an ob der Degen nur zum Stoß oder auch zum Hieb taugt, so de Scalzi.

Trainingssäbel – Für Carlo Tambornini


Für Tambornini bieten sich verschiedene Varianten an, als erstes sollte da ein Säbel her. Die Abbildungen im Breve trattato di scherma alla sciabola sind keine Schönheiten. Aufgrund der Zeit dürfte der dargestellte Säbel ein Modello 1855 sein. Da Carlo Tambornini der Marine angehörte, könnte sein Dienstsäbel evtl. auch ein Bersagleriesäbel gewesen sein. Der hier Abgebildete hat außer der Reihe auch eine M1855 Klinge mit „clippoint“. Die Italiener waren mit ihren Dienstsäbeln und Bezeichnungen nicht so streng wie die Deutschen.
Das System ist auf einen Bügelsäbel ausgelegt, das lässt sich anhand der Paraden und Guardia sagen. Daher wollte ich auch passend mit einem Bügelsäbel trainieren können. Weil ich mir neben meinem Säbel mit Muschelgefäß aber keinen Zweiten zulegen wollte und die Quelle an einer Stelle sogar von Holzsäbeln spricht, dachte ich mir, dass ich Blackfencer mal nach ein paar Nylonsäbeln frage. Nylons sind schließlich die „Waster“ unserer Zeit.

Trainingsentermesser – Für Carlo Tambornini


Tamborninis Verbindung zur Marineakademie, legt, auch wenn er dazu nichts schreibt, nahe dass entsprechende Techniken auch mit dem kürzeren Entermesser funktionieren müssen. Denn das System wird auf den ein oder anderen Weg über die Ausbilder an die Matrosen gelangt sein. Die einfachen Techniken sind im Grunde auch nicht viel anders als man es von anderen historischen Aufzeichnungen her kennt.
Das passende Entermesser der Zeit wäre das M1847 nach preußischem Vorbild. Leider konnte Black Fencer keine passende Glocke herstellen, sodass ich mich an den Rawlings Broadsword-Körben vergangen habe. Dave Rawlings hat vor Jahren eine Serie von verschiedenen Übungswaffen aus Kunststoff auf den Markt gebracht. Diese sind modular aufgebaut, sodass man Parier, Knauf und Klinge austauschen kann um verschiede Varianten zu erhalten. Gerade bei längeren Klingen vom Gefühl her nicht so gut wie Black Fencer aber zum Glück sind Entermesser ja etwas kürzer.
Nachdem ich entsprechende „Spangen“ abgetrennt, das Stichblatt gekürzt, alle Kanten schön mit der Feile geglättet und die Lücken aufgefüllt haben, habe ich abschließend noch die Klinge für ein Langes Messer entsprechend gekürzt und fertig war das M1847.

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Seminar: Treffen Historischer Fechter Deutschlands 2019

Dieses Jahr findet das Treffen historischer Fechter Deutschlands in NRW statt. Grund genug mich mal als Referent zu bewerben. Eigentlich wollte ich was spanendes mit Säbel oder Degen anbieten, nur sagte man mir, dass ich für solche Randthemen in den HEMA am besten die Simulatoren stellen sollte. Da ich aber nun keine Lust hatte 10-20 Säbel mitzuschleppen (es bleibt fraglich ob ich die überhaupt zusammenbekommen hätte ;-)) entschied ich mich dafür einen Kurs für das Coltello Genovese anzubieten. Dieser soll neben einer kleinen Einführung die Zusammenhänge, Parallelen und Unterschiede zu HEMAdisziplinen wie z.B. Hofdegen oder Dolchringen beleuchten und ist im wahrsten Sinne des Wortes als Workshop ausgelegt. Das bedeutet Fragestellungen der Teilnehmer sind durchaus gewünscht!
Ich bin zwar der Meinung, dass für meinen Workshop keine Schutzausrüstung von Nöten sein wird, der Veranstalter wünscht aber Tiefschutz und Zahnschutz sowie falls nötig eine Sportbrille. Sorgt also Vor, falls ihr mitmachen wollt. Messer werde ich genug dabei haben 😉

Ganz besonders freue ich mich aber auch auf die aktuelle HEMAszene in NRW, die es im Juni nach Borchen verschlägt, auf alte Freunde und Bekannte wie Thomas Stöppler und Thore Wilkens und neue Gesichter, die ich bislang nur in ihrer Onlinepersona kenne.
Spaßeshalber habe ich micht noch zum Einhandwaffenturnier angemeldet. Ich bin gespannt auf das Was, Wie und Wer 😀

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Training in Genua im Januar 2019

Nicht so schick, aber dennoch malerisch. Das trockene Flussbett des Polcevera.

Meine Fahrt Nummer Sechs stand im Vorfeld etwas auf der Kippe. Wenige Woche vorher war in Bayern das Schneechaos ausgebrochen und in den Alpen sah es erstmal nicht besser aus. So bibberte ich auch ohne Schnee in NRW ob alles so klappen würde wie gedacht. Wir planten etwas mehr Zeit ein als sonst und wagten uns über die schneebedeckten Alpen. Wenn man nicht fahren musste, war der Ausblick wirklich traumhaft, besonders werden mir die eingefrorenen Bergbäche, die wie Eiszapfen den Hang hinunter hingen im Gedächtnis bleiben.
In Genua angekommen waren es angenehm kalte 12°C, also schon fast Sommer wie eine Freundin anmerkte. Im La Sosta schienen sie etwas umgestaltet zu haben, das Personal war nicht mehr hundertprozentig das Bekannte, die Speisekarte war umgestellt worden und sie schlossen nun gegen späten Mittag! Nicht auszudenken, wären wir später gekommen, nach der Anreise ohne eine erste ordentliche italienische Mahlzeit ins Training!

Zum Glück lag die Halle immer noch nebenan. Für mich ein Novum, auch wenn es unterschiedliche Räume waren, zwei Mal in derselben Lokalität zu trainieren.
In der Halle war es kälter als draußen, aber während des Savate Genovese wurde mir schon warm genug. Der Hauptteil des Trainings lag ausschließlich in der alten Methode. Claudio unterscheidet sehr strickt zwischen Chausson, Savate und Boxe Francaise. Das ursprüngliche Chausson, in dem die Tritte überwiegen, das Savate, welches bereits mit dem englischen Boxen kombiniert wurde und das moderne Boxe Francaise. Eine zwar nachvollziehbare aber keine offizielle oder trennscharfe Einteilung.
Meine Flexibilität in den Beinen wurde einmal mehr an ihre Grenzen gebracht. Auf der einen Seite ist es zwar hart zu hören „Nein, so nicht, du musst unters Kinn treten!“, auf der anderen Seite ist es aber nicht so schlimm, wenn es nur die Beweglichkeit und nicht die Technik betrifft. Jedenfalls stimmt es definitiv nicht, dass der Genuese aufgrund des „Selbstverteidigungsaspektes“ ausschließlich zu den Beinen tritt. Allerdings gibt es zu den Beinen einige „nette“ Sachen, die im modernen Sport (zu Recht) verboten sind.
Wir hatten das Glück, dass ein Schüler des Maestros vor Ort war, sodass ich fragte ob wir zusammen nicht ein lockeres Sparring machen könnten. Mich interessierte vor allem die Dynamik. Schwer zu beschreiben… Wir trugen zwar Boxhandschuhe, trotzdem war es anders als im modernen Savate, in dem ich trotz alledem immernoch mehr Sparringerfahrung habe. Schon allein, dass man nicht aufpassen musste keine Faustrücken- oder Hammerfaustschläge zu benutzen, dass man ein Ringen einfach ansetzte, weil es grad da war und nicht einfach zu nah aneinander stand und halbgare Haken setzte. Der gute Mann, dessen Namen ich leider vergessen habe, war mit seinen 50 Jahren immernoch sehr gut dabei.
Zum Ende haben wir uns nochmal den Due Mani angesehen, aufgekommene Fragen geklärt und die Stöcke ein wenig schwingen lassen. Mal sehen was der nächste Besuch bringt. Apropos Stöcke, Tobias hat für den Maestro als Mitbringsel einen einen wunderschönen Stenz besorgt, den Claudio sofort in wunderbarem Deutsch als „Alpenstock“ betitelte. Ganz unrecht hat er damit nicht. Er hatte ein paar Rattanstöcke für uns, die er mit einem Knauf mit eingearbeitetem Anfangsbuchstaben versehen hatte. Verwechselungen im Training ausgeschlossen 😉

Als kleines Extra und nicht nur als Überraschung für den Maestro sondern auch für die Jungs hatte ich eine erste Fassung der Übersetzung des ersten Kapitels ohne Technikteil von Claudios Buch dabei. Aber dazu zu gegebener Zeit mehr.

Es war etwas spontan und leider hat es aus organisatorischen Gründen nicht geklappt sich nach dem Training noch mit Daniele Calcagno zu Treffen. Daniele ist Trainer des HEMAvereins in Genua, welcher nach der ersten bekannten Quelle Genuas  Scuola di Scherma Storica „Antonio Quintino“ heißt. Er arbeitet ebenfalls am Tambornini und ich warte sehnsüchtig auf seine Publikation zum Thema, nicht zuletzt weil meine eigene Transkription mit Übersetzung ins Deutsche kurz vor der Fertigstellung steht. Aber wir waren ja nicht zum letzten Mal in Genua…

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