Training Genua Mai 2018

Die Jungs nach dem Training. Der weibliche Touch gehört zum Fitnessstudio 🙂

Am vergangenen Wochenende war endlich wieder Genua angesagt. Nach einem unerwartet schön sonnigen Nachmittag auf dem Marienplatz in München am Freitag, klingelte Samstag viel zu früh um 3:30 Uhr der Wecker. Zusammen mit Ralf, Rupert und Tobias ging es los Richtung Alpen. Die Hinfahrt verlief wie immer problemlos und das Essen im La Sosta tat nach der Fahrt wie immer gut. Claudios neue Trainngsmöglichkeit war das Fitnesscenter „Power Fitness ASD“ keine drei Gehminuten entfernt. Nach einem Cafe sollte es dann in vielerlei Hinsicht interessant werden, erwartet wie unerwartet.
Die erste Überraschung war der derzeit wegen Renovierungen leider nicht zur Verfügung stehende große Fitnessraum. Wir mussten auf den Geräteraum ausweichen. Umringt von Hanteln, Kettlebells und Bänken schafften wir uns etwas Platz. Für zwei Paare, die sich mit einem Spazierstock angriffen und verteidigten war allerdings kein Paltz. Glücklicherweise lernten wir an diesem Tag keine grundlegend neuen Dingen. Wir haben unsere Fragen gestellt und haben die Antworten sehr praktisch um die Ohren geschlagen bekommen. Es war also immer nur ein Paar aktiv und in der Regel war der Maestro ein Teil davon. Das führte einmal mehr zu mehr Stoff als erwartet und trieb mein italienisch an oder besser gesagt über seine Grenzen. Der Inhalt zum Stock hätten ein normales Seminar mehr als gefüllt, so allerdings hatten wir noch mehr Zeit uns mit etwas Gambetto zu beschäftigen. Man sieht Claudio deutlich an, dass wir seine Begeisterung für Gambetto bei unseren letzten Besuchen wieder geweckt hatten. Nach einer schmerzhafteren Zeit, ging es weiter mit dem Messer. Ein paar Grundlagen und als Variante gab es noch Messer mit Jacke. Die Jacke in der linken Hand bietet entsprechend einige neue Möglichkeiten zur Parade und Angriffsvorbereitung. Sie ist aber wie alle genuesischen Methoden nicht sehr verspielt und dadurch auch nicht sehr umfangreich, dennoch vollkommen ausreichend.
Entsprechend aufwendig war es für uns alle die Menge an Informationen ordentlich aufzuschreiben und zusammenzufassen. Ohne ins Detail zu gehen, können wir aber grob zusammenfassend sagen: Wenn man mehr als drei Aktionen braucht, war es nicht sehr genuesisch!

Als kleines Present hatten wir diesmal etwas scharfes dabei. Tobias hatte bei seinem Seminar auf den „Optimus -Bucharest HEMA Open“ einen italienischen Schmied aufgetan, der uns ein Messer im genuesischen Stiel angefertigt hat. Überrascht wurden wir mit einem „Club Difesa e Sport“ Savate-vereinsshirt.
Einen letzte -unangenehme- Überraschung hielt die Rückfahrt aber noch für uns bereit, ein paar ordentliche Staus, die dem Ende des verlängertem Himmelfahrtswochenendes zu verdanken waren und ein ordentlicher Umweg durch eine Vollsperrung. Und da wir das schöne Wetter hintern den Alpen gelassen hatten, wurden wir von Platzregen und Gewitter begrüßt. Am Ende war die Rückfahrt sicher drei Stunden länger als erwartet gewesen. Dank Ralf -unseres tapferen Fahrers- kamen wir aber alle wohlbehalten in München an.
Also Danke Ralf für die sichere Fahrt, Franzi und Rupert für die Gastfreundschaft, den beiden Herren und Tobias für das tolle Wochenende und Claudio für seinen Unterricht.
Wir wiederholen das 2018 sicher noch ein weiteres Mal!

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Nachruf: Coltello Genovese Aachen

Vergangenes Wochenende hielt ich in Aachen ein Seminar zum Coltello Genovese.
Obwohl alles doch recht kurzfristig aufgezogen wurde, waren insgesamt 13 Teilnehmer dabei. Hauptsächlich kamen sie aus dem Arnis, Eskrima und Historischen Fechten, aber auch aus dem Shotokan Karate und Mantis Kung Fu hatten wir Gäste. Vom absoluten Neuling was Waffen betrifft, bis zum philippinischen Messerspezialisten war also alles dabei. Bei schönstem Wetter standen wir in der Halle und schielten höchstens ein oder zweimal nach draußen wo an diesem ersten schönen Wochenende 2018 vor dem Studentenwohnheim schon ein großer Pool eingeweiht wurde.
Der technische Schwerpunkt lag an diesem Tag in der Winkelschrittarbeit. In der letzten dicken Stunden bekamen dann alle noch einen Einblick in ein paar „Handspiele“ des Coltello Genovese. Die Zeit verging wie im Flug und schon war das Seminar vorüber. Das Thema war zwar geschlossen, die offenen Enden machten aber Lust auf mehr. Und damit meine ich nicht nur meine überaus motivierten Teilnehmer, sondern vor allem auch mich. Spannend im Hinblick auf ein nächstes Mal war auf jeden Fall ein Plausch und eine Idee a la „genuesisch trifft philippinisch“. Weil man in der Regel unter sich trainiert und sich nur mit Angriffen und Problemen seines Stils auseinander setzt, könnte es ganz spannend sein einen passenden Workshop auf die Beine zu stellen indem Angriffsmethoden des Coltello Genovese auf FMA-Manier gelöst werden und umgekehrt … mal sehen was die Zukunft so bringt 🙂
Vielen Dank an alle Teilnehmer, Ihr wart überaus fleißig dabei und habt kluge Fragen gestellt. Viel mehr kann sich ein Referent nicht wünschen!
Zum Abschluß möchte ich mich noch herzlich bei Vera für die Fotos bedanken.
Einige davon findet ihr in folgenden Video:

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Seminarankündigung: Coltello Genovese Aachen

Es hat lange auf sich warten lassen, aber nun gebe ich endlich mein erstes Seminar zum Coltello Genovese. Ich möchte erst einmal einen Einblick geben, daher gibt es einen groben Überblick ohne ein spezielles Thema.
Leider habe ich etwas kurzfristig die Halle bekommen, daher fällt die Vorwarnzeit recht kurz aus. Das Seminar findet am 21.04.2018 zwischen 10 und 15 Uhr am Hochschulsportzentrum Aachen statt. Hier geht es zur Anmeldung.
Wer ein Trainingsmesser hat kann dies gerne mitbringen, ich werde aber einige vor Ort haben. Ansonsten Sportkleidung, Hallenschuhe und Gute Laune einpacken!

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HEMA genovese

HEMA steht für historical european martial arts und ist ein Sammelbegriff für alte Kampfkünste Europas, die keine lebendige Tradition mehr aufweisen oder deren Lehrlinie stark geschwächt ist. Zwar kann man gut nachverfolgen wie sich der Umgang mit dem zweihändig geführten Schwert des 14. Jh. hin zum heutigen Fechten mit Säbel und Degen veränderte, sodass man eigentlich nicht von einem völligen Fehlen dieser Linie sprechen kann. Aber so wird es heutzutage vom Dachverband definiert. Denn selbst die Übertragung des militärischen Säbelfechtens auf das olympische Fechten mit dem Säbel ist durch die zunehmende Versportlichung schwierig. Sogar in diesem Fall ist die Linie geschwächter als man meinen mag, auch wenn der große Unterschied mehr in den Köpfen der Leute zu finden ist als in der Fechttheorie selbst.
Erste Erfahrungen in den HEMA sammelte ich seit etwa 2004. Über die Jahre beschäftigte ich mich mit allerlei Schulen, Fechtmeistern und verschiedenen Waffengattungen. Angefangen mit dem allgegenwärtigen Langen Schwert über diverse Stangenwaffen, dem Ringen mit und ohne Dolch, dem Dussak und dem meyersche Rappier, auch Exoten wie dem Kampf im Harnisch oder dem Umgang mit dem Montante bis hin zu klassischeren Waffen wie Degen und Säbel aber in dem Zusammenhang auch das Fechten mit aufgepflanztem Bajonett. Es gab damals viel zu entdecken und die lebendige Szene machte es einem leicht über den Tellerrand zu schauen und mit anderen Enthusiasten zu arbeiten.Soviel zum Prolog.

Zur Rekonstruktion der HEMA werden alte Manuskripte und Bücher herangezogen. Natürlich gibt es auch eine Menge Literatur aus Italien und auch wenn Mailand direkt um die Ecke ist gibt es tatsächlich Fechtbücher, die in Genua selbst verlegt wurden. Wie könnte ich mich Historischer Fechter nennen, wenn ich nicht wenigstens einen Blick riskieren würde? Mittlerweile bin ich einiger Werke habhaft geworden. Leider sind diese in der allgemeinen HEMAszene nicht so wichtig, weshalb es keine Übersetzung ins englische geschweige denn ins deutsche gibt. Also musste ich selber ran. Erster Schritt Transkription, zweiter Schritt Arbeitsübersetzung und final gibt es vielleicht irgendwann mal etwas Vorzeigbares. Seit einigen Monaten trainiere ich mit meinen Jungs bei Mispeldorn an einem Termin in der Woche jene HEMA genovese und bislang gefällt es.

Mir sind zur Zeit folgende Bücher und Autoren bekannt:

  • 1613, Antonio Quintino – Gioielo di sapienza nel quale si contengono mirabilis secreti, e necessarii advertimenti per difendersi da gli huomini e da molti animali
  • 1619, Giovani Battista Gaiani – Discorso del tornear a piedi
  • 1851, Pietro Spinazzi – Il bersagliere in campagna. Ed istruzione sulla scherma della baionetta
  • 1853, Paolo de Scalzi – Scuola della Spada
  • 1862, Carlo Tambornini – Breve trattato die scherma alla sciabola
  • 1863, Giovanni Battista Viti – Breve trattato di scherma alla sciabola secondo il metodo dell’avvocato Gio. Battista Viti.

De Scalzi veröffentlichte ebenfalls „Scienza della scherma“ in Verona und auch Gaiani veröffentlichte noch „Arte di maeggiar la spada a piedi, et a cavallo“ in Loano. Sollte jemand noch weitere Werke kennen, würde ich mich über eine Nachricht freuen.
Weil es sich ebenfalls um genuesische Kampfkunst handelt, werde ich im Laufe der Zeit auch hier immer wieder etwas zu diesem Thema veröffentlichen. Denn meiner Meinung nach vervollständigen die HEMA genovese das Gesamtbild der traditionellen Künste und beleuchten sie von einer anderen Seite.

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Seminarankündigung: Dortmunder Budolehrgang 2018

Neues Jahr, neuer Pfingstlehrgang. Am 19. Und 20. Mai sind wieder eine Menge guter Referenten in Dortmund. Wie immer sind z.B. Ferdinant Mack und Ralf Kussler dabei, viele andere Gesichter aus den letzten Jahren werden aber auch nicht fehlen. Neu mit an Bord wird ein Savateur aus Aachen sein. Wer das sein wird steht wohl noch nicht ganz fest, da Rene Zweigel leider verhindert ist. Jan Gosewinkel gibt dieses Jahr eine spanende Einheit zum Doppelschwert nach Luis Godigno, ich selbst werde höchstwahrscheinlich wieder etwas Coltello Genovese zeigen und zusammen machen wir noch eine Einheit Scheibendolch. Mehr zum Programm findet ihr hier.
Eine Hallenübernachtung ist übrigens wie jedes Jahr möglich.

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Besuch aus Köln die Zweite

Vergangenes Wochenende durfte ich Peter wieder bei mir begrüßen. Unter seinen Neujahrsvorsätze befindet sich auch „mehr Bastone Genovese in 2018“. Sehr löblich kann ich nur sagen! Das letzte intensive Training mit ihm war im August. Seitdem hatte er viel Zeit sich in den reinen Tritttechniken des Savate Genovese zu üben und das hat er auch fleißig getan. In der Zwischenzeit war er aber auch auf dem Noble Science Germany und der Tremonia-Fechtschule. Auf diesen Veranstaltungen habe ich einmal eine Einheit zum Savate Genovese und eine zum Gambetto gegeben. Man kann also nicht sagen, dass er untätig war. Auf seiner Wunschliste stand ganz oben neben ein paar Grundlagen zum Spazierstock auch wieder Savate Genovese. „Savate muss, Stock wäre cool“ war der Wortlaut glaube ich. Diesmal alles etwas dynamischer mit Fokus auf mehr Bein- und auch Pratzenarbeit, aber auch ein paar taktische Verknüpfungen von einzelnen Tritten waren mit dabei. Die Zeit verflog nur gerade zu und so gab es als Bonus oben drauf noch einmal die Grundlagen, das heißt Hiebe und Paraden und ein paar Worte zu Grundsätzen des Passseggio. Für Fechter wie uns ist es nicht so einfach vom Prinzip der Riposte Abstand zu nehmen. Es ist ja auch nicht so, als ob die Riposte (Angriff nach der Parade) im Bastone Genovese keine Anwendung finden würde, nur legt man ebend viel mehr Wert auf die Ripresa (Angriffswiederholung) und das will in den richtigen Kontext gesetzt und ordentlich ausgeführt sein. Spätestens im April sehen wir uns zu einem Contrafechttreffen wieder, da dürfte am Rande auch ein bisschen Zeit für etwas Genuesisches sein.

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Gambetto in der Tradition alter Fechtbücher?

Auf dem Kampfkunstboard wurde die Frage gestellt in wie weit sich Techniken des Gambetto in den Fechtbüchern Italiens aus Mittelalter und Renaissance wiederfinden. Der Gedanke dabei war evtl. eine Entwicklungslinie zu finden oder mögliche Gemeinsamkeiten zu erkennen.
Diese Idee ist nicht so sehr verkehrt, zumindest ist sie es wert einmal ein wenig näher betrachtet zu werden.
Wo könnten wir dazu einen Blick riskieren? Am besten wären natürlich Fechtbücher aus Genua selbst, gefolgt vom Umland und zu guter Letzt aus Norditalien. Alles andere wäre dann vielleicht doch ein bisschen weit hergeholt.
Tatsächlich gibt es einige Fechtbücher, die in Genua verlegt wurden. Die meisten mir Bekannten sind allerdings aus dem 19. Jh. und beinhalten leider keine Waffenlosen Techniken. Wenn wir Mailand in die Umgebung Genuas mit einbeziehen, gibt es – spätestes seit dem 18. Jh.- eine Fülle an Fechtbüchern vorallem für das Hieb- und Stoßfechten. Aber keine ausführliche Anleitung des Waffenlosen Nahkampfes, die sich nicht mit sportlichem Ringen, Savate oder Boxen beschäftigten. Diese sind zum Teil nur Nachdrucke in italienischer Sprache und keine italienische Tradition. Regionale waffenlose Tricks oder Techniken um sich seiner Haut zu erwehren findet man eher nicht. Die Bücher, die Gambetto namentlich erwähnen, einmal ausgenommen.

Blickt man weiter zurück werden die Fechtbücher seltener, daher müssen wir unsere Suche auf den Norden Italiens ausdehnen. Allerdings reicht der Wirkungsbereich dieser Werke dann auch deutlich weiter und ihre Bekanntheit und Nutzung sind wesentlich langfristiger. Im 17. Jh. beschäftigen sich Fechtbücher hauptsächlich mit dem Umgang des Rapiers. Anscheinend nur wenig was uns weiterhelfen könnte. Mit dieser Lücke ist es schon schwer von einer Übertragung oder Überlieferung zu sprechen. In der Bologneser Tradition des 15. Jh. finden wir einige Techniken zum Kampf mit dem Dolch. Hier könnte man fündig werden.

Stellung mit Cappa und Pugnale bei Marozzo

Stellung mit Cappa und Spada bei Marozzo

 

 

 

 

 

 

 

 

Der erste Blick fällt natürlich auf die Kombination Dolch und Mantel, hier erkennen wir die Grundstellung des Gambetto wieder. Der Mantel wird schützend um den Arm geschlungen und dann vor den Körper gebracht, zusätzlich kann der Dolch -wie Achille Marozzo schreibt – hinter dem Mantel verborgen werden. Das Blockieren oder Parieren mit dem rechten Arm und gleichzeitigem Dolch- bzw. Fauststoß wäre damit die erste echte Übertragung. Tatsächlich soll angeblich bereits der Kampf mit Scutum und Gladius der Römer hier Vorbild gestanden haben –eine Sichtweise, die direkt aus der Renaissance stammen könnte. Im Dolchkapitel rät Marozzo allerdings das Bein der Waffenseite vor zu stellen. Andere Meister die Mantel und Schwert überliefert haben stehen mit Schwert oder Rapier bis ins 17. Jh. ebenfalls auf diese Art. Marozzo selbst zeigt aber in seinem Schwert auch die Möglichkeit mit der Mantelseite vorzustehen. Und wo wir nun doch wieder im 17. Jh. und Fechtbüchern mit dem Themenschwerpunkt Rapier sind, auch Fabris kennt beide Guardia, links und rechts vor.

Salvatore Fabris in einer sehr gedeckten Stellung hinter dem Mantel

Diese Stellung und der Mantel als Hilfsmittel zur Verteidigung gegen Messer haben sich in jedem Fall bis heute gehalten. Wir finden sie in Frankreich des 20. Jh. z.B. auch in „La Défense dans la rue“ (1912) und in der Übersetzung ins italienische „La difesa personale“ von 1926. Auch das Colltello Genovese, dass sonst eine andere Guardia nutzt, lehrt die Verteidigung mit Jacke und Messer. Es ist damit zumindest nicht von der Hand zu weisen, dass eine solche Vorgehensweise Allgemeingut war und ist. Von einer direkten Verbindung zu Achille Marozzo würde ich allerdings nicht sprechen wollen. Aber es ist nicht auszuschließen, dass die Stellung selbst und Methoden aus ihr für den reinen waffenlosen Kampf irgendwann von einem klugen Kopf adaptiert wurden. An dieser Stelle sollte ich noch anmerken, dass es sich bei der Guardia um die Variante des ligurischen bzw. genuesischen Gambetto handelt, Martinelli zeigt um 1906 in seinem in Mailand erschienen Buch „trattato di scherma col bastone da passeggio“ eine gänzlich Andere, auch wenn einzelne Techniken wiederum in beiden Stilen zu finden sind.

Guardia Martinelli

Guardia Genovese

An dieser Stelle könnte man also sagen, dass die Messertradition Italiens, die sich über die Jahrhunderte auch mit dem Mantel als Defensivwaffe beschäftigt hat, anscheinend einen Einfluß auf die Guardia des Gambetto Genovese gehabt haben könnten.

 

Die Dolchringen aus Marozzos „Opera Nova“, die soweit ich weiß nicht zum eigentlichen Werk gehören, deren Ursprünge aber noch nicht gänzlich geklärt sind, lasse ich hier außer Betracht, da wir diese alle in einem früheren Buch wiederfinden. Fiore de Liberi beschreibt in seinem „Fior di battaglia“ eine Fülle von „waffenlosen“ Techniken in der Ringen aber auch in der Dolchsektion. Darunter sind viele der üblichen Armbrüche und Würfe, die sich auch im Gambetto wiederfinden. Allerdings sind das ebenfalls Techniken, die es in diversen Kampfkünsten um den Globus durch „alle“ Epochen hindurch gibt. Deshalb würde ich mich auch hier wieder nicht aus dem Fenster lehnen wollen um von direkten Wurzeln zu sprechen. Fakt ist, vieles von dem was es früher gab, gibt es heute auch noch, einiges davon unverändert, einiges mit kleinen Anpassungen. Diese können technischer Natur sein um die eigentliche Technik zu verbessern oder neuen Gegebenheiten gerecht zu werden, zu entschärfen oder irgendwelchen Regeln anzupassen. Feinheiten lassen sich bei Fiore oder generell aus den meisten Fechtbüchern nur schwer erkennen, ob das nun Feinheiten sind, die ich von Mann zu Mann in Genua gelernt habe und wiedererkennen könnte oder Feinheiten, die der alte Meister vielleicht gar nicht erst versucht hat zu beschreiben oder darzustellen oder sie vielleicht sogar bewusst verschwiegen hat.
Als Schlußwort möchte ich euch eine kleine Auswahl dieser „Allrounder“ jedenfalls nicht vorenthalten:

Den Arm über Rotation brechen

Den Arm verrenken.

Den Arm über die Schulter brechen.

Daumen in die Augen drücken.

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Noch ein Coltello-Trainer – Trainingsmesser aus Cold Steel Speerkopf

Coltello genovese aus Gummi

Vielleicht könnt ihr euch noch erinnern, wie ich aus einem Cold Steel Bowie aus Gummi ein Coltello Genovese geschnitzt habe. Jetzt habe ich mit noch weniger Aufwand eine noch bessere Alternative gefunden. Cold Steel bietet ebenfalls Speerköpfe aus Gummi an. Diese sind mit wenigen Handgriffen in Form gebracht. Die Tülle ist zwar hol, aber fest genug, dass sie als Griff dienen kann ohne gefüllt zu werden. Allerdings muss sie etwas gekürzt werden. Und wenn man die Stichsäge grade zur Hand hat, sägt man einfach entlang des Mittelgrades einen Teil der Klinge ab, lässt die Spitze aber unberührt. Mit der Raspel noch die Kanten glätten und schon ist es fertig.

Orginal und modifizierter Gummispeerkopf

Ein weiterer Vorteil dieser Variante ist, dass das Santropen in diesem Fall nicht so steif verarbeitet sondern eine flexible Spitze produziert wurde, die sich jeder Trainierende bei einem Gummimesser wünscht. In diesem Fall mit einer schönen Sicherheitsspitze, die auf Wunsch natürlich auch entfernt werden könnte.
Nichts ist perfekt und so muss man natürlich auch hier ein paar Abstriche machen. Auch wenn die Tülle durch ihre runde Form das Griffspiel sehr gut unterstützt, ist sie als Griff etwas zu dick. Das ist für meine Hände zwar noch in Ordnung, wird aber sicherlich nicht für jeden passen. Außerdem ist das so gebastelte Messer mit ca. 40cm wieder ein recht großes Exemplar, ausgehend von einer Ausgangslänge von 43cm.
Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis aber mehr als zufrieden.

Kleiner Nachtrag:
Auf meinem ersten Coltelloseminar zeigte mir Peter sein gebasteltes Messer. Er wollte noch eine Daumenmulde einfügen. Das würde den Griff auch noch etwas verschlanken. Die oben beschriebene Version hat ja eigentlich auch ihrern Reiz daran, dass sie nicht viel Arbeit macht, besonders, wenn man 20 Messer bauen möchte. Das im Hinterkopf habe ich aber nochmal die Säge angesetzt und das ganze Messer noch etwas gekürzt und gleich auch noch den Bart abgerundet. Jetzt hat es mit 30cm die eher übliche Länge und auch die Tülle ist natürlich nichtmehr zu dick. Die Flexibilität wird dabei nicht beeinflusst. Die Mehrarbeit lohnt sich allemal, sodass ich wohl für das nächste Seminar alle Klingen überarbeiten werde.

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Nachruf: The Noble Science Germany I

Die ganze Truppe vom ersten „The Noble Science Germany“

Ich freute mich sehr zum ersten Noble Science Event in Deutschland als Referent eingeladen zu sein. Im Dezember vergangenen Jahres war es dann soweit. Zudem hatte ich die Ehre den ersten Workshop halten zu dürfen und damit die Veranstaltungsreihe in Deutschland zu starten.
Die Gruppe war überschaubar. Sie zählte etwa zwanzig Mann – ja richtig, leider war der Frauenanteil gleich Null. Die Gruppengröße war jedenfalls ideal um ordentlich was zu vermitteln und genügend Zeit für jeden aufzubringen. Die Teilnehmer kamen hauptsächlich aus den HEMA. So gesehen hatte ich meinen Workshop gut vorbereite: ein bisschen über die Herkunft des Savate und das Verhältnis des genuesischen Stils zum französischen Savate, ein paar Grundlagen – treten steht ja nicht wirklich ganz oben auf den Fertigkeiten eines historischen Fechters – und eine Technikkette mit verschiedenen Ausgängen im Stil von Paulus Hector Mair in der kampfentscheidende Aspekte wie Tempo und Mensur vermittelt und die Wichtigkeit der Beinarbeit in diesem Zusammenhang aufgezeigt wurde.

– Heiko hat von seinem Workshop ein Video auf seinem Kanal. Ich verlinke euch mal hier die Übungskämpfe zum Ende der Klasse. Energiegeladen war ich zwar nichtmehr, aber im richtigen Moment den Sack zu machen, das ging noch 😉 –

Seit langem habe ich auf einem Seminar wieder alle Workshops auch selbst mitgemacht, Nicht zuletzt deswegen war es für mich ein wirklich tolles Wochenende. Ganz besonders Spaß hatte ich bei Christophs Workshop zum Pugilism, der leider einfach viel zu schnell vorbei war. Von diesem Thema hatte ich bis dato nur grundlegende Kenntnis. Mittlerweile gibt es einfach so viel mehr an Quellen als noch vor ein paar Jahren. Der Workshop hat bei mir ein paar Fragezeichen entfernt und einiges an Hintergrundwissen hinzugefügt, vom Spaß am Training ganz zu schweigen. Dieser Workshop war einfach viel zu schnell vorbei. Alex Bartitsu-Klasse war auch ein Spaß, nicht zuletzt wegen des Savate und Pugilism.

The Art of Defence on Foot with Broad Sword & Sabre(1804) von Charles Roworth (Transkribiert von Peter Frank)

Ich hatte mit Peter Frank auch einen tollen motivierten Partner, der mir das gesamte Wochenende erhalten blieb. Auch nochmal herzlichen Dank für die wundervolle Lektüre für die Rückfahrt. In „The Art of Defense“ habe ich bislang noch nie einen Blick riskiert umso mehr war ich überrascht, dass es im hinteren Teil des Buches ein Kapitel zum Umgang mit dem Stock gibt. Ein gemeinsamer quellenkonformer Blick in dieses Kapitel würde mich übrigens sehr freuen. Aber ich schweife ab.
Das Event schaffe für mich den Spagat zwischen viel Neuem für die Trainer und sehr viel Neuem für die Teilnehmer ohne dabei für jemanden wirklich überfordernd zu sein, mal ganz abgesehen von der körperlichen Anstrengung.
Das Ronneburgcenter als Veranstaltungsort ist zwar nicht so leicht zu erreichen – schon garnicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln – aber für The Noble Science war es einfach super. Die Teilnemer und Referenten kamen in einer Hütte unter, kein Stress mit Übernachtungsmöglichkeiten suchen, morgens zur Halle, abends zurück. Es gab Frühstück, Mittag- und Abendessen und Samstag tat die Sauna dem geschundenen Körper mehr als gut und abends sorgten die netten Gespräche für einen gebührlichen Tagesabschluss.
Ich kann die Veranstaltung nur empfehlen. Ich bin schon gespannt welche Referenten Predrac nächstes Jahr aus dem Ärmel schüttelt.
Ein paar Fotos (Danke Alexander) für einen kleinen Eindruck, der dem Noble Science Germany nicht gerecht werden kann.

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Frohes neues Jahr!

Feuerwerk über Genua

2018 hat begonnen und ich bin voller guter Vorsätze. Die letzten Wochen bin ich nicht so sehr dazu gekommen etwas zu schreiben. Das hatte zum Teil gute aber auch anstrengende Gründe. Ganz klar steht das Nachreichen ausstehender Themen ganz weit oben auf meiner Liste – direkt unter mir 😉
Ich will mich dieses Jahr meinem großen Feind Kondition stellen und wieder etwas fitter werden. Das regelmäßige Savatetraining hat schon ordentlich geholfen, andererseits hält es mir auch immer wieder vor was da noch machbar ist. Ein bisschen Ernährung muss dann auch noch drin sein, das bedingt sich ja beinahe. Außerdem würde ich gern weiter an meinem Italienisch arbeiten. Was vermutlich mit das Schwerste für mich sein wird.
Trainingstechnisch werde ich mich weiterhin intensiv genuesischer Kampfkunst widmen und zwar nicht nur den traditionellen Methoden sondern auch den historischen Systemen. Die letzten Monate war ich fleißig und habe mir ein paar Fechtbücher besorgt, transkribiert und übersetzt. Ihr dürft also gespannt sein. Ein großes „Danke“ geht dabei ganz klar an die Jungs von Mispeldorn, die dabei mit mir praktisch Hand anlegen und meine Exkurse mitmachen.
Von privat und persönlich fange ich glaube ich lieber gar nicht erst an. Bis jetzt hatte ich noch nie Neujahrsvorsätze. Irgendwann ist wohl immer das erste Mal. Ich bin gespannt was aus alle dem im Laufe des Jahres wird. 2018 verspricht in allen Belangen interessant zu werden.

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