Deutscher Youtubekanal zum Savate boxe française

Ihr erinnert euch vielleicht noch an Peter Straub aus Basel, den ich auf der Deutschen Meisterschaft kennengelernt habe. Vor ein paar Wochen habe ich durch Zufall entdeckt, dass er ganz frisch seinen Youtubekanal mit Technikvideos zum Savate boxe française füllt. Mittlerweile sind nun einige Videos dazu gekommen und es werden wohl auch in Zukunft weitere folgen. Solche Lehrvideos sind an für sich schon eine Seltenheit, im deutschsprach Raum sind sie sogar ein Unikat und mit Sicherheit soll dieser Kanal auch zur Bekanntheit des Sports in Deutschland beitragen. Bei diesem Unterfangen wünsche ich Peter und allen anderen viel Erfolg!
Wie gesagt handelt es sich dabei zwar um modernes französisches Savate. Freunde genuesischen Savates werden aber dennoch ihre Freude daran haben. Vor allem wenn sie noch Material für Ihre Grundlagen suchen. Man sollte aber natürlich wissen worin die Unterschiede der beiden Varianten liegen. Das wiederum gehört sich aber schon beinahe für jemanden, der sich intensiv mit Savate Genovese beschäftigt oder es gar unterrichtet. Was derzeit auf die Mehrheit der Savatetori genovesi zutrifft. Ich bin jedenfalls gespannt was es noch zu sehen geben wird!
An dieser Stelle noch kurz einen Gruß an Sascha, bei dem ich vor Jahren meinen ersten Kurs im Savate an der RWTH-Aachen gemacht habe.

Hier das erste Video der Playlist:

Veröffentlicht unter Savate Genovese, Video | Hinterlasse einen Kommentar

Seminar: The Noble Science Germany

The Noble Science” ist eine Seminarreihe aus Großbritannien, die es seit etwa fünf Jahren gibt. Ihr Thema sind die alten, historischen oder traditionellen waffenlosen Kampfkünste Europas. Dieses Jahr entschied sich Predrag Nikolic von Zornhau dazu das Format nach Deutschland zu bringen.

Angefragt wurde ich für Boxe francaise Savate. Da könnte ich natürlich etwas zeigen, aber wenn ich ehrlich bin, gibt es genügend Leute im deutschsprachigen Raum, die besser dazu geeignet sind als ich. Also sagte ich Predrag  ich könne ihn gerne weitervermitteln oder aber stattdessen Savate Genovese vorstellen. Ich weiß nicht wie weit er über französisches Savate informiert ist, aber nachdem ich ihm etwas mehr über genuesisches Savate erzählt habe, entschied er sich für Italien (Wer würde das nicht? ;-)).

Es ist noch gut einen Monat hin und ich bin mir noch nicht ganz sicher was ich überhaupt zeigen werde. Es gibt doch einiges an Faktoren, die mit reinspielen. Wann bin ich dran? Gibt’s schon Grundlagen von der Bartitsuklasse auf denen  ich aufbauen kann oder kann ich Grundlagen für jene Klasse liefern? Was sind für Teilnehmer da? Mal eben zum Kopf Treten? Und wie schauts überhaupt mit grundlegenden Kenntnissen übers ordentliche Treten aus? Auf den meisten Veranstaltungen auf denen ich unterrichte kann ich meine Teilnehmer einschätzen, hier kann wirklich alles passieren von historischen Fechter, die ihre Beine nur schwer über Hüfthöhe bekommen – nicht dass das bei mir vor ein paar Jahren nicht ähnlich aussah – bis hin zu erfahrenen Kämpfern, die im Schlepptau der anderen Referenten kommen. Ich werde also breit planen müssen und der Rest wächst dann in der Stunde. Auf jeden Fall bin ich dankbar für das Interesse und freue mich schon Savate Genovese vorstellen zu dürfen.

Neben mir gibt es noch einige andere Exoten (Kampfkünste meine ich, nicht Referenten ;-)) mehr. Vom Veranstalter – wie könnte es anders sein – gibt es eine Klasse zum historischen deutschen Ringen. Alex Kiermayer – einer der Bartitsuveteranen Deutschlands – zeigt etwas aus jener Mixed Martial Art des 19. Jh., deren Zuliefersysteme das Boxen, Savate und Jiu-Jitsu waren. Pugilism – altes Boxen – wird es geben und Heiko Große zeigt uns etwas zum traditionellem Backholdwrestling. Alles in allem verspricht es ein tolles Wochenende zu werden – hatte ich die Sauna erwähnt? 🙂

Für mehr Infos und die Anmeldung geht es hier zur Website. Die aktuellen Referenten gibts dann nochmal hier von mir:

Predrag Nikolic – Ringen nach deutscher Schule

Christoph Reinberger – Pugilism

Heiko Große – Scottish Backhold Wrestling

Alex Kiermayer – Bartitsu

Mark Lupo de Fazio – Human Pankration

Oliver Janseps – Savate genovese

Veröffentlicht unter Savate Genovese, Seminare | Hinterlasse einen Kommentar

Buch: Trattato di scherma col bastone da passeggio

Die „Neuauflage“ hat mit 2009 auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Das Ersterscheinungsdatum war jedoch bereits 1908. Graziano Galvani, Gianluca Zanini, EnricoLorenzi und Valerio Pitali machen uns mit dieser Neuauflage eins der wenigen alten schriftlichen Werke aus Italien zum waffenlosen Kampf sowie dem Umgang mit dem Spazierstock zugänglich. Viele Bücher zum Fechten dieser Zeit sind für Norditalien in Mailand verlegt worden, so auch dieses. Damit rutscht es natürlich deutlich mehr in mein Interessengebiet als z.B. neapolitanisches Messer. Mit 1908 ist es für HEMA-verhältnisse noch recht jung, aber umso spannender. Nicht nur die Quelle ist auf Italienisch auch die Neuauflage ist es. Wer allerdings grundlegendes Verständnis und ein bisschen Vokabular der italienischen Fechtschule mitbringt, versteht durchaus erstmal genug. Zur Not gibt es ja auch noch ein paar Bilder 😉

Die Einführung hält allerlei Hintergrundinformationen für den Leser bereit. Es gibt viel wissenswertes über den Autor Giannino Martinelli sowie eine kurze praxisbetonte Einführung in den Fechten mit dem Spazierstock und allgemeine Anweisungen. Ob das wirklich ausreicht dem unerfahrenen Leser das Verstehen der Orginalquelle zu ermöglichen wage ich zu bezweifeln, für Fechter ist es jedenfalls eigenlich überflüssig.

Das Stocksystem  ist recht überschaubar und – wen wunderts – stark am italienischen Säbelfechten angelehnt. Deutlich mehr als unser Bastone Genovese. Es macht einen „akademischeren“ Eindruck: eine ordentliche Fechtstellung, ein recht weiter Ausfall und statische steile Paraden. Solche findet man nicht in jedem Stocksystem. Praxisorientierte Autoren wie zum Beispiel H.G. Lang oder T.H. Monstery verzichten darauf, da sie solche Parade als gefährlich für die waffenführende Hand ansehen. Im Bastone Genovese werden steile Parade – solche bei denen die Spitze nach oben zeigt, im Gegensatz zu verhangenen, bei denen die Spitze unterhalb der Hand liegt – grundsätzlich battiert, das heißt dynamisch geschlagen statt statisch mit Opposition pariert. So reduzieren wir die Gefahr für die vordere Hand.
Auf jeden Fall ist es eine kleine kompakte Methode, die leicht erlernbar ist, vor allem, wenn man bere fechten kann.

Was mir damals – als ich mir dieses Büchlein zulegte – nicht bewusst war, war dass es neben dem Spazierstock auch Techniken zum waffenlosen Nahkampf enthalten waren. Umso spannender war die Tatsache, dass diese Techniken als Gambetto bezeichnet werden. Genau wie bei uns scheint es kein richtiges System zu sein, eher ein paar Tricks und Kniffe abseits vom richtigen Ringen um sich ohne Waffen gegen jemanden zu behaupten. Also nichts was man großartig lernen könnte, aber ein netter Überblick oder besser Einblick in das Gambetto.

Wer sich mit italiensicher Fechtkunst beschäftigt und vielleicht noch an ihrer Umsetzung außerhalb des Fechtsaals interessiert ist, dem ist wohl geraten sich dieses kleine Büchlein zuzulegen. Ich habe es jedenfalls nicht bereut.

Veröffentlicht unter Bastone, Bücher, Gambetto | Hinterlasse einen Kommentar

Trainingseinheit am HSZ Aachen

Im Hochschulsport der RWTH-Aachen wird derzeit sehr viel umstrukturiert. Ein Resultat davon ist, dass die Jujutsugruppe bröckelt, weil sie unter den neuen Bedingungen kein regelmäßiges Training für alle Leistungsstufen anbieten kann. Die Gruppe, die bislang ausschließlich am HSZ existierte, geht nun eine Kooperation mit einem ortsansässigen Verein ein. Unteranderem deswegen sinkt  nun zum Beginn des Wintersemesters 2017 der Bedarf an Einheiten. Aber ist die Einheit erst weg, wird es schwer sie wieder zubekommen. Daher habe ich mir nach kurzer Rücksprache mit der Obfrau diese Hallenzeit erst einmal unter den Nagel gerissen. Ganz offiziell heißt der Kurs nun „Jujutsu Waffen“.
Das DJJV Jujutsu beinhaltet unter anderem auch den Umgang und die Abwehr mit und von Stöcken und Messern. Ein hartes Curriculum gibt es nicht. Einige Vereine nehmen ihre Techniken aus dem Budobereich, andere von den philippinischen Kampfkünsten (FMA), warum also nicht aus europäischen Traditionen schöpfen?
Dieser Kurs wird also im Grunde ein Kurs nach genuesischen Methoden. Wir werden erstmal  viel Messer und auch ein bisschen Stock machen. Der Kurs läuft ca. drei Monate und ich werde mich selbst ein bisschen überraschen lassen was und wieviel ich unterbringen kann, was für Leute sich anmelden usw. Wenn alles gut geht, greifen die nachfolgenden Kurse ineinander und ich kann eine kleine Gruppe aufbauen.
Ich bin jedenfalls sehr gespannt wie es weitergeht!
Anmeldestart ist am 04.10. Los geht es am 10.09. um 20:00.
Der „Gambettokurs“ nennt sich übrigens nun „Jujutsu Selbstverteidigung“ (nach genuesischen Grundsätzen ;-)) und liegt weiterhin freitags um 20:00 Uhr.

Veröffentlicht unter Bastone, Coltello | Hinterlasse einen Kommentar

Nachruf: Tremonia Fechtschule 2017

Die Fechtschule ist zwar schon ein paar Wochen vorbei. Es bleibt aber nicht aus dazu ein paar Worte zu verlieren:
Ich war leider noch nicht wieder ganz gesund, sodass ich nicht so viel fechten konnte, nicht so viele Workshops machen konnte und nicht so lange bleiben konnte, wie ich gern gewollt hätte. Glücklicherweise konnten zwei meiner Jungs von Mispeldorn – Historische Kampfkünste die Fahne hoch halten und mir vom zweiten Tag berichten. Trotzdem hatte ich sehr viel Spaß. Es war mir ein Vergnügen Reinis kennen zu lernen und von ihm Gigantis Rapiers zu sehen, leider war ich wirklich so angeschlagen, dass ich nach meinem Workshop und der Hälfte des Rapierworkshops nicht mehr aktiv teilnehmen konnte. Irgendwann werden wir uns sicher irgendwo wiedersehen – vielleicht auf der nächsten Fechtschule mit Rapier und Dolch – und auch mal die Klingen kreuzen. Nachdem die Veranstaltungen des Fechtsaals nicht mehr stattfinden, freute ich mich besonders darüber viele alte Freunde wie Jan, Simon, Robert, Katharina, Jan, Daniele, Daniel wieder zusehen. Sogar Uwe und Claudia, die ich das letzte Mal auf dem Y-day gesehen habe waren vor Ort oder besser, hatte sie Jan im Gepäck, der seit kurzem bei der Gilde Bonn einen Montantekurs hat Montantero – Bonn)

Was ich nicht verstehe ist allerdings, wie so eine tolle Veranstaltung mit Referenten aus aller Welt, die wirklich nicht teuer ist, verhältnismäßig schlecht besucht sein kann. Es war zwar viel los – schließlich ist es ja auch das „Sommerfest“ von Tremonia Fechten – aber vereinsfremde Fechter waren nicht viele da und wenn dann waren es die alten Hasen, die ich oben schon erwähnt habe. NRW ist für HEMAverhältnisse ein sehr gut bedientes Feld, umso trauriger ist es, dass diverse Vereine nicht vertreten waren. Vernetzung und Austausch war einmal ganz groß in den HEMA.
Was muss man denn noch bieten? Es gab diverse Workshops zu den unterschiedlichsten Themen, Turniere, Bogen- und Armbrustschießen, Messer- und Axtwerfen, Schnitttests und jede Menge Zeit und Platz für alles was man mit anderen sonst noch machen will.
Meine Jungs haben auf jeden Fall Blut geleckt.

Mein Gambettokurs hat mir sehr viel Spaß gemacht. Nachdem ich seit Anfang des Jahres einen wöchentlichen Gambettokurs gebe, war es das erste Mal für mich den Stoff für einen zweistündigen Kurs aufzuarbeiten um einen interessanten Einblick zu geben. Ich habe wiedermal zu wenig geredet, jedenfalls was Ursprung und Hintergrund des Gambetto angeht. Dafür gab es viel Stoff und da habe ich vielleicht sogar zuviel geredet.
Der Boden war noch aufgeweicht und jeder, der bei mir ordentlich mitgemacht hat, war den Rest des Tages an seiner Kleidung unschwer zu erkennen. Als mich Robert am Morgen fragte ob ich den Kurs auch auf der Wiese abhalten könne oder ob man dazu zwingend in eine Halle müsse, antwortete ich frech, dass ich nicht derjenige wäre der geworfen würde.
Man konnte die Teilnehmer böse grob in zwei Gruppen aufteilen, diejenigen, die Spaß daran hatten sich gegenseitig wehzutun und die Techniken möglichst ordentlich ausführen wollten und diejenigen, denen etwas die Intention fehlte. Verurteilen möchte ich das aber nicht, schließlich ging es ums Reinschnuppern und Kennenlernen. Trotzdem ist es immer wieder schön einem Paar zuzuhören: „nein, das ist noch nicht ganz richtig, das tut noch nicht richtig weh“, und zu sehen wie sie sich enthusiastisch in den Dreck werfen.
Nachdem Peter noch an seinen Savatgrundtechniken arbeitet, war es natürlich ein Muss für ihn sich den Kurs anzutun. Sein Kommentar am Ende: „Die Genuesen können wirklich nur ganz oder gar nicht.“ Das hatte er schon gemerkt als Rupert ihm das Coltello Genovese gezeigt hatte und das empfand er beim Gambetto wieder so. Ich muss sagen, da hat er wohl auch nicht ganz Unrecht.

Zum Schluß noch ein paar bewegte Bilder. Danke Simon für deinen Einsatz!

Veröffentlicht unter Gambetto, Seminare, Video | 2 Kommentare

Bowiemesser

Vor Jahren kaufte ich mir im solinger Klingenmuseum ein Buch für die Zugfahrt Heim. „Bowiemesser – Ein amerikanischer Mythos“ von Matthias Recktenwald ist jetzt kein Buch was ich unbedingt empfehlen würde, doch war es schon interessant, gerade wenn man nicht tief im Thema „Bowieknife“ und seine Geschichte drin ist.
Wenn ich auf Events oder Sparringtreffen war und einmal mit dem Bowie gefochten habe, habe ich mich grundlegend an klassische Stoßfechtschule gehalten, gewürzt mit einer kleinen Prise kurzer Hiebe und Schnitte zum Waffenarm.
Ich erinnerte mich an folgenden Absatz, von Seite S.63 in dem es hieß, dass in der überlieferten typischen Fechthaltung für Bowiemesserduelle die Schneide nach oben gezeigt hätte. Daraufhin passte ich meine Methode an. Die kleinen Schnitte waren mit der kurzen Schneide, mit dem „Entenschnabelspitze“, immer noch durchführbar, vielleicht

Evolution des Bowies, ganz oben die vermutete Urform des Bowiemessers

sogar noch besser. Falls ich Paraden mit der Klinge machte, würde ich so sogar meine Schneide schonen. Dazu kamen mir auch gleich Bowies mit Messingbeschlag am Klingenrücken in den Sinn. In das weiche Messing dürfte sich eine Stahlklinge gut verbeißen und die Klinge entsprechend binden. Aber das ist nur mein Gedankenspiel. In jedem Fall wurde es deutlich schwerer die Hand zu ergreifen, weil ein Greifen der Hand immer über die Schneide erfolgen musste, was unweigerlich dazu führte zumindest geschnitten oder gar gestochen zu werden. Das ist -wie ich Jahre später erfuhr- auch der Grund, warum im Coltello Genovese die Schneide immer nach oben gerichtet ist, wenn man sein Messer offen zeigt und es dem Gegner entgegenhält. Aber wirklich interessant wird es dann nochmal, wenn ich das Bild von S.20 betrachte, welches die vermutete Form von Jim Bowies eigentlichem Messer darstellt, bevor die Legende und das Marketing eine andere Form propagierten. Ich will nicht andeuten, dass Jim Bowie im genuesischen Messerkampf ausgebildet war, diese Messerform ist schon sehr verbreitet, aber Form folgt auch hier einmal mehr der Funktion und das ist immer eine gute Erkenntnis.

 

Coltello Genovese und Bowiemesser. Beides Auftragsarbeiten von Aluminium Arsenal. Das Bowie ist mitlerweile im Programm aufgenommen worden.

Veröffentlicht unter Coltello | Hinterlasse einen Kommentar

Besuch aus Köln

Diese Woche hatte ich Besuch von Peter von den Freifechtern. Nachdem ihm Rupert auf dem ISS etwas zum genuesischen Messer gezeigt hatte, hat Tobias ihm letzte Woche auf seinem Seminar zum kreusslerischen Stoßfechten in Köln wohl den letzten Stubser gegeben, sodass er sich entschieden hat seiner Neugierde nachzugeben und etwas tiefer in die genuesischen Kampfkünste eintauchen will. Da Aachen von Köln ja quasi ein Katzensprung ist, kam eins zum anderen. Bei gutem Wetter im Park sind wir erstmal komplett durch das Repertoire an Tritten des Savate Genovese, um zum Abschluss -wie könnte es anders sein- nochmal die Klingen zu kreuzen, schließlich sind wir ja beide Fechter.
Peter erzählte mir, dass ihn die lebendige Tradition sehr reizen würde und die Methoden den Anschein von einer zielgerichteten Kompromisslosigkeit erwecken würden, was wiederum auf wenig Veränderung über die Jahrzehnte oder Jahrhunderte deute. Diesen Eindruck teile ich und würde ihn heute auch noch bestätigen. Er ist definitiv ein Punkt der für mich eine Brücke vom Historischen Fechten zur „modernen“ Selbstverteidigung schlägt. Modern setzte ich deshalb in Anführungszeichen, weil man an der ein oder anderen Stelle doch stark in den Bereich des Notwehrexzess abrutscht, besonders mit dem Messer.

Peter, es war mir wie immer ein Vergnügen, bis bald!

Veröffentlicht unter Treffen | Hinterlasse einen Kommentar

Seminar: Tremonia Fechtschule

Vom ersten bis zum dritten September findet in Dortmund die Tremonia Fechtschule statt. Tremonia Fechten ist ein Verein rund um HEMA in Dortmund. Ich war in den vergangenen Jahren das ein oder andere Mal bereits dort und habe Workshops zu Paulus Hector Mairs Mordaxt und Fabian von Auerswalds Ringen gegeben. Dieses Jahr fragte man mich wieder ob ich etwas ringerisches machen würde. Ich habe angeboten etwas Gambetto zu machen, denn ich finde die Herangehensweise des Gambetto, einer noch lebenden, wenn auch etwas eingeschlafenen Tradition, spiegelt sich schön in machen Fechtbüchern wie z.B. von Petters, Schmidt oder Pascha wieder und dürfte für das historisch interessierte Publikum durchaus einen extra Mehrwert für ihre Interpretationsarbeit bringen.

Ich selbst freue mich auch schon auf den Rapierkurs nach Giganti. Außerdem gibt es noch Dolch, Montante, natürlich von Mr. Montante Jan Gosewinkel, Säbel und noch einiges mehr. Wessen Interesse geweckt wurde, schaute einfach mal hier.

Veröffentlicht unter Gambetto, Seminare | Hinterlasse einen Kommentar

Savate boxe française: Deutsche Meisterschaft 2017

Am ersten Juli fand die Deutsche Meisterschaft im Savate boxe française statt. Wie ihr wisst trainiere ich donnerstags das französische Savate, einfach um meine Sparringspartneranzahl hoch zu halten und etwas mehr Tritttraining zu bekommen. Und wenn mein Trainer dort sagt, dass ich einfach mal mitfahren soll, dann mache ich das auch. Eigentlich seltsam, denn im Inneren bin ich Wettkämpfen eher nicht so zugetan. Im Verlauf der DM würde ich auch wieder wissen warum das so ist. Aber ich denke das bekommt einen eigenen Beitrag. Der Zeitliche Aufwand war nicht ganz ohne, also wollte ich auch etwas erreichen. Konditionell bin ich nicht der Stärkste und das würde sich bemerkbar machen – und das hat es! Vielleicht das nächste Mal doch mehr Ausdauertraining im Vorfeld 😉 – ich wollte also zumindest alle meine Kämpfe durchstehen und das habe ich. Ein Kampf besteht aus 3 mal 2 Minuten und das kann verdammt lange sein. Außerdem wollte ich in jedem Kampf irgendwas schickes hinbekommen und einfach ordentlich kämpfen – soweit es meine Kondition zuließe – und auch das habe ich geschafft. Für mich war das ein durchaus gelungener Ausflug. Ich war zwar der einzige der Aachener, der ohne Medalie nach Hause kam, aber ich war zufrieden mit mir. Um sich über Punkte oder Ringrichter aufzuregen sind mir meine Nerven und meine Zeit zu schade, besonders, da dies ja nichtmal „mein“ Sport ist.

Man unterscheidet im Savate grob zwischen assaut und combat, Semi- oder Vollkontakt. Ich hätte nicht gedacht, wie hart Semikontakt in der offenen Gewichtsklasse sein darf oder kann. Ich habe das ein oder andere Ding, darunter ein Schienbein (eigentlich verboten) in den Bauch und eine Schuhspitze gegen den Kiefer, abbekommen, aber es ist halt Kampfsport, da beschwere ich mich nicht und mache weiter. Auch wenn das Andere anders sehen und keine Möglichkeit für eine Schwalbe auslassen. Ich muss leider sagen, dass mein Trainer (Danke!!!) sehr wenig wettkampfspezifisches Training macht, kurze Doppeltritte, die dann eben auch zwei Punkte bringen und anderen Blödsinn, den man getrost als Regelartefakte bezeichnen kann, fehlen in seinem Training. Das ist zum einen der Grund warum ich mich bei ihm gut aufgehoben fühle und ich für mich noch viel rausziehen kann, zum anderen auch, warum sich der ein oder andere im Wettkampf nicht ganz so gut zurecht finden könnte – ich zum Beispiel 😉 Ein Preis den ich gern bezahle!

Die Commiunity ist wirklich sehr überschaubar bei den wenigen Vereinen in Deutschland auch kein Wunder. Es war schon fast familiär und ich habe viele nette und interessante Menschen getroffen und schöne und interessante Gespräche geführt. Im Besonderen möchte ich hier Peter aus Basel erwähnen, mit dem ich auch fechthistorisch ein tolles Gespräch zum la canne führen durfte, danke dafür! Außerdem ein Gruß nach Berlin an Mike. Es war mir ein Vergnügen gegen dich angetreten zu sein, ich hoffe wir sehen uns im nächsten Jahr, bleib am Ball! Und wo wir grade dabei sind, Danke Team Aachen für eure Unterstützung und die tolle Zeit, Ihr seid spitze!

Ein paar Bilder und zwei kleine Videos habe ich auch noch:

Mein kleines Highlite. Bei den Kampfrichtern dürfte das nicht so gut angekommen sein, vom Publikum und der Ecke gab es dafür aber ein paar Stylepunkte:

Man macht was man trainiert! Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das gemacht habe. Im Savate zwar verboten, trotzdem schön, dass es im Wettkampf funktioniert hat 🙂

Veröffentlicht unter persönliches, Savate Genovese, Seminare, Video | Hinterlasse einen Kommentar

Donnerstagstraining mit kleiner Mannschafr beim Savate in Aachen

Frei nach dem Motto „wer hoch treten will, muss es auch versuchen“ dachte ich mir, wenn ich schon eine Savategruppe vor der Haustür habe und das ist in Deutschland wirklich selten, sollte ich dort auch mal hingehen. Einfach nur Dehnen wird den gewünschten Erfolg nicht bringen, auch wenn ich davon ausgehe, da ich die Ausführung der meisten Tritte im Grunde beherrsche, dass sich die höhere Trittausführung schon einstellen wird sobald mein Körper die Grundvorrausetzungen hat. Allerdings gehört dazu natürlich auch die passende Muskulatur. Also: Viel hilft viel, auf zum Savate!


Da die Trainingszeiten für mich nicht sehr optimal liegen, habe ich eine Freundin vom Jujutsu, die dort auch trainiert, gebeten zu fragen ob es in Ordnung sei, wenn ich zu einem Fortgeschrittenentraining dazu stoße.
Eigentlich war mein Plan schon ein paar Monate vor meinem savatelastigen Genuabesuch zum Boxe Française Savate zu gehen. Leider hat das nicht ganz geklappt. Mittlerweile bin ich jetzt auch schon ein Jahr dabei. Ich wurde ab dem ersten Tag sehr freundlich aufgenommen und fühlte mich auch direkt wohl.Es gibt Training bei diversen Übungsleitern für Anfänger und Fortgeschrittene, ob fittnessbetont, wettkampforientiert oder kämpferrisch ausgerichtet,  jeden ist was dabei. Nicht umsonst hat Aachen auch den ein oder anderen Deutschen Meister hervorgebracht. Ich kann wirklich jedem, der sich für Boxe Française Savate interessiert nur empfehlen, in Aachen einzusteigen oder zumindest einmal vorbeizuschauen. Einen Link findet Ihr unter dem Beitrag.


Für meinen ersten Besuch hatte ich mir genau den richtigen Tag ausgesucht. Hier müsste man leichte Ironie raushören, denn die Deutsche Meisterschaft war in der nächsten Woche. Dementsprechend war das Training auf den Assaut ausgerichtet. Assaut ist das freie Gefecht im Semikontakt, im Gegensatz zum combat, dem Vollkontaktwettkampf.. Das bedeutete Sparring, Sparring, Sparring und Übungsassauts. Also genau das richtige zum ersten reinschnuppern!  Es gab zum Aufwärmen ein paar lockere wettkampfspezifische Übungen, danach wurde im Grunde nur noch frei gekämpft.
Ich hatte also viel Sparring und ich hatte auch definitiv meinen Spaß. Höhere Tritte zu üben, was ja mein eigentliches Anliegen war, kam dabei leider etwas zu kurz. Ich hätte zwar welche versuchen können, wäre dabei aber sicher heillos untergegangen. So habe ich versucht mein Können an das Regelwerk anzupassen. Das sah dann vielleicht nicht so schön aus, ich fühlte mich aber ab meiner zweiten Runde deutlich wohler. Am Ende des Tages war ich jedenfalls mit mir zufrieden. Zum Glück gab es in einem Trainermonolog nochmal eine kleine Zusammenfassung der wichtigsten Regeln, gewusst hätte ich die nämlich nicht. Heute weiß ich, dass die Grauzonen mir möglicherweise recht gut liegen könnten, vielleicht sogar besser als so manch einem anwesenden Savateur. Sie spiegeln einfach mein üblicheres Vorgehen besser wieder. Trotzdem habe ich davon dann doch Abstand gehalten. Heute sieht das allerdings schon anders aus. Mit etwas mehr Übung und zeitlichem Abstand muss ich sagen, dass diese Grauzone sich ordentlich mit Grundlagen des Gambetto vertragen würde, weshalb ich schon gespannt bin inwieweit mir dort ein Spagat gelingt.


Die letzte halbe Stunde hatten die antretenden Wettkämpfer eine Simulation eines Assauts. Dreimal zwei Minuten mit dreißigsekündiger Pause. Jeder hatte einen Coach in seiner Ecke, der ihm während der Pausen Tipps und taktische Hinweise geben konnte. So dass selbst diejenigen, die nicht kämpften durchaus einiges lernen konnten. Auch wenn ich nicht hundertprozentig mit dem Regelwerk vertraut bin, will ich behaupten, dass ich „meinem“ Kämpfer ein paar durchaus gute Tipps geben konnte. Kämpfer lesen mache ich schließlich schon eine ganze Weile.


Savate wird außerhalb Frankreichs, speziell in Deutschland nur selten im Vollkontakt gekämpft, wieviel Kontakt im Aussaut erlaubt ist, ist dann wohl immer vom Ringrichter abhängig. Das kann schon mal mehr sein, aber auch deutlich weniger. In Belgien, so hieß es, ist es wohl meist deutlich mehr, auch die Italiener sind da nicht so zimperlich. In der Donnerstagseinheit, die ich in Aachen besuche wird auch eher eine etwas härteren Gangart gefahren. Das merkt man vor allem daran, dass kurz vor den Wettkämpfen die Intensität vom Trainer aktiv gedrosselt werden muss.

Ein reguläres Training unterscheidet sich eigentlich nicht großartig von meinem ersten Besuch. Gemeinsames Warm- und Lockermachen durch Spielchen mit Händen und Füßen, gemeinsames Dehnen und bevor es zum Sparring kommt ein paar Kombinationen. Die Sparrings, die hier nicht so deutlich der Wettkampfvorbereitung dienen, haben häufig, wie erwähnt, doch eine etwas höhere Schlaghärte. Bislang hat sich auch noch niemand wirklich beschwert, wenn ich nicht komplett sauberes, regelkonformes Savate gezeigt habe. Was sicherlich schon der Fall war, auch wenn ich mir dessen nicht immer bewusst bin, gleiches gilt für Ihre Toleranz gegenüber genuesischen Technicken , die im Regelwerk des  Boxe Française Savate nicht vorkommen.
Allgemein würde ich sagen, dass es aus meiner Perspektive viele Regelartefakte gibt, die es mir vielleicht irgendwann erschweren könnten das zu verbessern was ich möchte. Außerdem ist der Boxanteil doch größer als ich gedacht hatte. Aber so ist das, wenn man zu anderen Leuten auf die Spielwiese geht. Bis jetzt meine ich, dass die Vorteile noch überwiegen und ich dort definitiv ohne weiteres noch genug für  „mein“ Savate mitnehmen kann, Außerdem sind mir die Leute mittlerweile auch ans Herz gewachsen.


Vielen Dank an Hanna fürs einschleusen, dem Trainer Max für sein gutes Training und natürlich der ganze Gruppe für ihre Offenheit und das tolle Training. Soweit ich es schaffe, bin ich immer wieder gern bei euch!

Hier geht´s zum Savate in Aachen

Publiziert am von Oliver | Hinterlasse einen Kommentar