Schwertgelüster Podcast

Wie gibt man am besten eine kurze Zusammenfassung über Säbelfechten in den HEMA? Zumindest kann ich euch jetzt sagen, dass es nicht optimal ist in einem Podcast von zwei Langschwertfechtern ausgefragt zu werden.

Ich hatte die Ehre als Gast im Schwertgeflüster Podcast von Alexander Fürgut und Michael Sprenger geladen zu sein. Es war mir eine Freude und hat viel Spaß gemacht, danke euch beiden!
Dieses Medium war neu für mich und definitiv ein Format an das man sich gewöhnen muss. Vor allem sollte man im Blick halten, dass es Leute geben wird, die in der Zukunft dem Ganzen folgen wollen, wenn man so am „quatschen“ ist, aber ein bisschen Stammtischfeeling gehört anscheinend dazu. Spannende neue Welt. Normalerweise bereitet man für Seminare, Videos oder auch fürs Training Themen vor, das war hier sehr schwierig, ach nein, es gab ja ein Thema „Säbel“. Allerdings war den beiden wohl nicht ganz bewusst, wie umfangreich das wirklich ist.

Vor Jahren habe ich mal ein Comic auf FB gesehen, etwa mit folgendem Inhalt:

A: Ich mache HEMA
B: Cool, Lichtenauer oder Fiore?
A: Ich mache Säbel.
B: Ah, … Lichtenauer oder Fiore?

Falls das noch wer auf seiner Festplatte hat, postet das doch bitte nochmal für mich.
Mein Resümee der Folge: Es gibt vie zu entdecken im historischen Säbel!

Ich habe versucht einen Einblick zu geben, wer mehr wissen möchte, dem kann sicherlich geholfen werden. Schließlich gibt es so ziemlich für jedes System auch einen passenden Fachmann. Falls es die dann auch mal ins Schwertgeflüster verschlägt, werden sie es sicher auch einfacher haben als ich …

Ein bisschen Sciabola Genovese darf dort dann natürlich auch nicht fehlen, also noch ein Grund mal reinzuhören:
Zum Schwertgeflüster

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Savate und Karate?

Jesse Enkamp ist nun kein Wissenschaftler sondern Influencer, daher ist das folgende Video mit Vorsicht zu genießen beinhaltet es doch diverse Ungenauigkeiten gerade was den europäischen Teil angeht. So sagt natürlich der Getroffene „touché“ also „berührt“ an und nicht der Treffende, womit der Vergleich zum Kiai natürlich komplett daneben liegt und natürlich wissen aufmerksame Leser, dass französisches Savate erst später von Fechtlehrern übernommen wurde und ursprünglich aus der Pariser Unterwelt kam.
Trotzdem kann man der Argumentation in seinem Video gut folgen! Es ist dennoch nichts, was ich ungeprüft so weiter tragen würde.
Ich finde es allerdings sehr schön, dass Savate und auch Savategeschichte und damit europäische Kampfkunstgeschichte so mehr in das Licht der immer noch sehr asiatisch geprägten Kampfkunstwelt getragen wird.
Wichtige Gestalten wie Charles Charlemont, Leboucher und sogar das belgische Savate des in Deutschland unterrichtenden Jakob Happel haben einen kleinen Auftritt.

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Paolo de Scalzis Einstellung zum Fechten und wie war das eigentlich nochmal mit den „Zweihändern“?

Ja, richtig gelesen, Zweihänder, aber dazu später mehr.
Wir arbeiten nun seit mehreren Jahren mit Paolo de Scalzi als Quelle zum Stoßfechten. Wäre es nach ihm gegangen, wäre er heute sicher einer der wichtigeren oder beliebteren Quellen der HEMA. Sein Werk „scuola della spada“ aus den 1850ern ist im Grunde nur der erste Teil eines geplanten Gesamtwerkes oder einer Reihe, das oder die es so leider nie in den Druck geschafft hat. Nach den Grundlagen des Stoßfechtens sollte es mit diversen anderen Waffengattungen weitergehen: Säbel gefolgt von Degen und Dolch, Bajonettgewehr, Lanze, Stock und Zweihänder. Zweihänder, wirklich? Die verwendete Bezeichnung lautet „spada a due mani“, was im allgemeinen Sprachgebrauch als Schwert zu zwei Händen übersetzt wird, genau wie auch der zweihändig zu führende Stock – wie wir wissen – als Bastone a due mani bezeichnet wird. Die Chancen stehen also äußerst schlecht, dass hier ein Schwert in jeder Hand – also zwei Degen – gemeint sein könnte.
Die Auswahl an Themen zeigt aber schon die Ausrichtung de Scalzis im militärischen Kontext. Gerade für Soldaten, sei es besonders wichtig gegeneinander zu fechten und nicht nur Solodrills zu laufen. Denn nur so kann man neben den für das Fechten erforderlichen Fähigkeiten auch das Vertrauen in sich vergrößern. Dass hierbei auch unterschiedliche Waffengattungen gegeneinander zu fechten haben, versteht sich von selbst. Er beklagt außerdem, dass die Leute einzig den Umgang mit dem Degen als Fechten ansehen würden. Ein Umstand den wir heute nur zu gut kennen. Aber Fechten ist mehr als der Umgang mit dem Degen. Egal ob Degen, Säbel, Zweihänder, Bajonett, Lanze oder Dolch oder sogar ein Stock, das Boxen oder Ringen, all das ist Fechten, denn sie befolgen die Regeln von Tempo, Modo und Misura. Habe ich hier wieder Zweihänder geschrieben? Diesmal war der Terminus allerdings „spadone“ welcher für ein „großes“ Schwert benutz wird, das üblicherweise zwei Hände am Griff erfordert. Also ein weiterer Begriff für einen Zweihänder. Aber könnte hier nicht einfach ein schwerer Degen gemeint sein? Möglich, aber auch eher unüblich. De Scalzi erwäht Rosaroll mehr als einmal lobend in seinem Buch und dieser bezeichnet schwere Degen als „spadancia“, es wäre also eher wahrscheinlich, dass de Scalzi diesen Begriff verwenden hätte.
Der Soldat ist der Rückhalt jeder Armee und so muss er gut ausgebildet sein, auch in Zeiten, in denen Geschütze mehr und mehr das Schlachtfeld dominieren. De Scalzi fordert, dass der Kavallerist mit seinem Säbel und seiner Lanze sowohl zu Fuß als auch zu Pferd umzugehen weiß, genauso wie die Infanterie mit ihrem Bajonettgewehr und der Offizier mit seinem Degen. Die Mannschaft der Artillerie muss ebenfalls an der Waffe ausgebildet sein, um im Ernstfall mit Säbel und Bajonett, aber auch mit dem Spaten, den sie im Notfall wie eine Hellebarde benutzen können, sich und das Geschütz verteidigen können. Wie, jetzt auch noch Hellebarden? Dadurch kräftigt sich das Bild des Zweihänders noch ein wenig mehr.
Es scheint, als hätten wir mit Paolo de Scalzi einen Liebhaber alten Fechtens oder einen Traditionalisten vor uns. Er zitiert diverse alte Fechtmeister wie Fabris, Capo Ferro, Marcelli, Rosaroll und Grisetti in seinem „scuola della spada, aber für italienische Fechtbücher ist dieser Stolz auf die Vergangenheit auch nicht unüblich. Ließ er also wirklich in seiner Schule Übungen mit dem Spadone ausführen? Wir wissen es nicht. Alfiero Gio. Battista Gaiani schriebt 1619 in „Arte di maneggiar la spada a piede et a cavallo“, dass es vorteilhaft für einen Rapieristen wäre auch mit dem Spadone zu trainieren. Dass das ein gutes Ganzkörpertraining ist, können wir heute ohne Zweifel sagen. Bislang pflegte ich immer zu sagen, dass der Bastone a due mani, diese Aufgabe im 19. Jh. übernommen hätte, aber wie es scheint nicht absolut.
Paolo de Scalzi war also allem Anschein nach ein Praktiker und kein Träumer auf dem Fechtboden, außerdem ein Fechter von ganzem Herzen.

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Kampfrichterausbildung im Savate

Am 11.10. hielt der Verband „Savate canne baton deutschland e.V.“ einen Lehrgang für Kampf- und Punkterichter sowie Zeitnehmer ab, also fast alles was man so an Offiziellen während eines Wettkampfes benötigt. Ehrlicherweise wäre ich dafür nicht quer durch Deutschland gefahren, aber es ist ja 2020. Deshalb lief die gesamte Veranstaltung via Zoom und da fing die Sache dann an spannend für mich zu werden. Derzeit bin ich alles andere als aktiv bei Boxe Française dabei, trotzdem oder gerade deshalb habe ich mich über die Möglichkeit zur Teilnahme gefreut.Peter Straub – einigen vielleicht durch seinen YT Channel bekannt – führte durch die Veranstaltung. Es waren einige interessante Stunden, die die Aufgaben und Pflichten der Offiziellen während eines Wettkampfes näher beleuchteten. In jedem Fall besser und vor allem praxisnäher, als es die trockenen Reglements tun, aus denen man entsprechendes Wissen ziehen könnte. Schrieb ich Reglements? Ja, Reglements, nicht Regeln, denn leider gibt es diese nicht auf Deutsch (man sollte meinen offizielle Regelwerke finden sich auf der deutschen Verbandsseite) sondern nur auf Französisch. Wenn ich einfach mal einen Wunsch äußern dürfte, dann fände ich eine Verlinkung zum Original toll, wenn es denn keine ofizielle Übersetzung gibt. Das erspart einem sich durch die französische Verbandsseite zu quälen. Ich glaube, das fände wahrscheinlich nicht nur ich ganz großartig! Für die Vorbereitungen zu meinem schriftlichen Test habe ich mich nämlich leider mit einer veralteten englischen Übersetzung vorbereitet, die ich im Netz gefunden hatte. Solche Stolpersteine müssen ja nicht sein.Mittlerweile sind die Prüfungsergebnisse da und das veraltete Dokument hat mir anscheinend nicht den Hals gebrochen. Sobald ich wieder Zeit habe werde ich mal meine Antworten mit dem aktuellen französischen Reglement abgleichen. Nun fehlt mir um das Unterfangen in Gänze abzuschließen noch etwas geleitete Praxiserfahrung, die derzeit – wer hätte es gedacht – etwas problematisch wird. Kommt Zeit kommt Rat, wir werden sehen.Auf jeden Fall nochmal vielen Dank an die Orga für die Arbeit und dass Ihr die Möglichkeit für alle geschaffen habt! Ganz besonders natürlich Danke Peter!

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Gepolsterte Spazierstöcke

selbstgebastelte Polsterstöcke
Zwei selbstgebaute Polsterstöcke für Sparring mit dem Spazierstock oder Regenschirm.

Weil mir keiner der üblichen Verdächtigen für Polsterstöcke in Deutschland so richtig helfen konnte oder wollte, habe ich mich selbst dran gesetzt und – wie ich finde – etwas Vorzeigbares hervorgebracht. Dazu habe ich aus günstigen Polsterwaffen zwei Spazierstöcke fürs kontaktintensivere aber schutzausrüstungsärmere Training gebaut. Grundlage dafür war das Foam Kids Schwert von GoPro für knapp 18€. Weil wir beim Bastone Genovese – entgegen Vigney – in der Regel den Knauf bei der Hand halten, war es einfach für ein bisschen bessere und realistischere Balance zu sorgen indem man das hintere Ende beschwert. Dazu habe ich gleich zwei Varianten ausprobiert. Die eine mit einem Plastikrundgriff eines alten Regenschirms und die andere mit dem Knauf eines Plastiktrainingsschwertes von Red Dragon. Bei Zweiterem musste das ungepolsterte Ende noch etwas verlängert werden, aber da ich dort direkt die Schraube verankern konnte, war mir das auch recht. Das blanke Stück habe ich dann mit Badmintongriffband umwickelt und schon könnte man rein optisch meinen, dass die beiden Polsterstöcke professionell produziert werden.

Softschwert, Bastelmaterial und Endprodukt
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Großes Fechtturnier in Genua 1892

1892 fand ein großes Fechtturnier in Genua statt.
Giuseppe Nini, seines Zeichens Anwalt aus Rom und Sprecher der Jury des genannten Turnieres veröffentlichte unter dem Titel: „Torneo Internazionale di Scherma, Genova 16-24 Giugno 1892“ einen ausführlichen Bericht inklusive aller Teilnehmer, Ranglisten, Prozedere etc.
Sebastian Saeger hat das Ganze ins Englische übersetzt. Wer sich also ausführlich ein Bild machen will, alles nötige zum Turnier ist hier im Detail beschrieben.

Zwei Regeln möchte ich an dieser Stelle kurz hervorheben, weil sie auch im heutigen Turnierbetrieb spannend wären:

  1. Ein Fechter der drei Doppeltreffer verursacht, wird aus dem Turnier ausgeschlossen.
  2. Wird ein Treffer nicht angesagt wird der entsprechende Fechter sofort ausgeschlossen

Man stelle sich bei Olympia die Waffengänge vor, wenn jeder seinen Treffer anzeigen müsste, vorbei wären auch die Jubelschreie der Säbelfechter bei einem Doppel, vielmehr würde sich bei gleichbleibender Praxis kaum ein Fechter – sei es Säbel, Florett oder Degen – durch die Doppeltrefferregelung lange im Turnier halten. Spannend sich diese kleine Regelung vorzustellen. Aber genug davon.

Grob gab es zwei Teile, die Poolkämpfe und die Große Fechtvorstellung.
In ersteren werden den Kämpfern Klassifikationspunkte von jeweils 0 – 10 für Kunstfertigkeit und Effektivität gegeben, die dann die Paarungen der Fechtvorstellung bestimmen.
In Genua kämpften in diesem Turnier 91 Amateure und 62 Meister mit dem Säbel und 110 Amateuer und 71 Meister mit dem Florett.

Einen Fechter, der im deutschsprachigen Raum große Bekanntheit genießt, würde ich hier noch kurz erwähnen. Die Rede ist von Luigi Barbasetti, der im Stoßfechten den zweiten Platz und im Säbelfechten den vierten Platz erreichte.

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Training in Genua im Dezember 2019

Auf zum 7. !
Es ist schon eine Weile her, dass wir am 7. Dezember unser Fahrt nach Genua angetreten haben. Schande über mich, dass ihr so lange auf diesen Beitrag warten musstet. Eigentlich wollten wir im Juli wieder gen Süden gefahren sein, aber da das leider nicht sein sollte, schwelgen wir in Erinnerungen. Das letzte Mal hatten wir uns nämlich etwas aus dem Fenster gelehnt und uns noch einiges vorgenommen. Die Fahrt war wie immer ein Vergnügen, es gibt so viel zu erzählen, dass die Stunden nur so verfliegen.
Als wir mit dem Essen im La Sosta fertig waren, stand da auch schon Claudio an der Theke, schwatzte mit den Leuten und wartete auf uns und den ersten gemeinsamen Cafe des Tages.

Dann ging es aber auch schon zur Halle. Das erste Thema war der Manganello, der Schlagstock. Hierbei handelt es sich um einen „echten“ Schlagstock für Ordnungskräfte um an dieser Stelle eine Begriffsüberschneidung zum Stocca Osse zu vermeiden. Technisch ist der Manganello nicht der Rede wert. Im Grunde ist es eine winzige Methode aus einem horizontalen Schlag, der eher dafür gedacht ist in Formation in Linie zu funktionieren, im Optimalfall mit seinen Freunden oder Kollegen Seite an Seite. Nicht zu weit ausgeholt um nicht unterlaufen zu werden, aber hart genug um alles was auf in die Zentrallinie kommt abzuwehren oder zu treffen. Natürlich lassen sich Techniken des Spazierstocks und des Stocca Osse auch umfunktionieren, keine Frage. Man sollte sich nur bewusst sein, dass man mit einem kürzeren Stock nicht so weit entfernt vom Gegner steht.
Apropos übertragen: gerade mitten im Thema lohnte sich nochmal der Exkurs zum Stocca Osse, dem noch kürzeren aber üblicherweise mit Metall beschwerte Knüppel. Als Gerät der dunklen Gassen, beschränkt sich die Handhabe eigentlich auf ein paar schnelle überfallartige Hiebe. Eine Übertragung vom Spazierstock oder Messer und der Einsatz im Zusammenhang mit Gambetto bietet sich zwar an, gehört aber streng genommen nicht ins Curriculum. Man sollte sich jedenfalls davor hüten den Umgang mit dem Stocca Osse zu sehr aufzuplustern, wie es heuzutage im Kampfsportbereich gerne mit allen möglichen Dingen gemacht wird.

Dann kamen wir vom Hölzchen aufs Stöckchen, etwas Messer, dann Stock gegen Messer – im Speziellen gegen anstürmende Gegner – dann wieder Stock gegen Stock.

Lorenzo, einer von Claudios Schülern war fast die ganze Zeit über anwesend und wartete nur darauf, dass wir uns Richtung Savate bewegten, dazu sollte es dieses Mal aber nicht kommen.
Lorenzo, wir versprechen dir, beim nächsten Mal heißt es wieder Savate genovese und dann lassen wir gemeinsam wieder die Füße fliegen!

Claudio hatte an diesem Tag Geburtstag und wir hatten etwas ganz besonderes für ihn aufgetan. Einen Spazierstock aus Kornellkirche, der durch diverse Bearbeitungsprozesse eine gelbe Farbe angenommen hat. Wirklich ein wunderschöner Stock aus tollem Holz!

Nach dem Training ging es in den Supermercato auf einen Cafe und Farinata. Farinata ist im Übrigen ein sehr leckerer Kichererbsenfladen. Als ich einmal versuchte einen zu backen, ist er mir leider nicht so gut gelungen, dafür war besagter verdammt lecker. Ich sollte es vielleicht nochmal versuchen…
Aufgrund der Verkehrslage etwas verspätet gesellte sich Daniele Calcagno zu uns. Er leitet den HEMA-Verein in Genua und wir hatten uns bereits beim letzten Mal versucht zu verabreden, was aber leider aufgrund eines Turnieres nicht funktioniert hatte. Besser als dieser Tag hätte es aber sicher nicht werden können. Als respektable Herren und Genualiebhaber kannten sich Claudio und Daniele natürlich. Wir mussten dann aber leider schon zügig los, weil Rupert sich mit Andrea verabredet hatte, einem Genuesen, den er auf einer Messe in den Niederlanden kennengelernt hatte, also traten wir den Weg in die Innenstadt an.
Das bedeutete leider, dass wir nicht mehr einkaufen konnten, aber wo sich eine Tür schließt, öffnet sich ein Fenster. Der Maestro hatte uns ein paar sehr leckere Flaschen mitgebracht und im Laufe des Abends sollte ich noch eine Flasche eines sehr schmackhaften Bitteraperitivs kaufen (Rupert beschrieb ihn als süßeren Martini), den der Genuese mit etwas Zitronenschale trinkt.
Ralf und Tobias entschieden sich dazu wegen der harten Fahrt den Abend wie gewöhnlich in der Albergo ausklingen zu lassen, aber ich hatte Ruperts Frau versprochen auf ihn aufzupassen, also zogen wir los, zu unserem Glück mit Daniele, der auch wieder in die Stadt wollte. Ohne Ihn wären wir im Leben nicht angekommen! Wir warteten an einer Haltestelle, die uns Google zwar nannte, an der der Bus aber laut Schild garnicht offiziell halten sollte, wir stiegen letztlich in einen Bus mit einer vollkommen anderen Beschriftung, der in die Nähe fuhr und dort in einem Bushof Endstation hatte. Daniele lächelte nur und sagte des öfteren „das ist eben Genua“. Endlich angekommen luden wir Daniele ein doch noch mit uns mitzukommen.

Andrea hatte das Colombo für das Abendessen ausgesucht, ein sehr netter Laden mit leckerem Essen (ich hatte zum Hauptgang z.B. in Rotwein eingelegte grobe Bratwurst mit karamelisierten Zwiebeln auf Brokoli – übrigens zu erschwinglichen Preisen).

Den Rest des Abends führte uns Andrea von Kneipe zu Kneipe durch das Nachtleben Genuas, während Daniele viel zu erzählen hatte. Daniele ist Professor für Geschichte und gehört dem „Heimatkundeverein“ an, eine besser Führung hätten wir uns nicht wünschen können. Grazie mille an unsere beiden Führer durch das alte und das neue Genua. Es war ein toller Abend, der seinen Abschluss im Büro von Andrea nahm. Es lag nah am Stadtkern mit Blick auf den Hafen im 14. Obergeschoss! Einen besseren Ausblick über Genua kann es nicht geben! Leider hatte ich keine Gute Kamera dabei, denn mein Handy war leider mit dem Licht etwas überfordert.

Auf dem Rückweg legten Rupert und ich noch einen längeren Spaziergang ein, denn wir waren klug genug etwas zu früh aus dem Bus auszusteigen. Angekommen sind wir dann aber trotzdem und nachdem wir den Wagen gefunden hatten in dem Ralf unsere Zimmerschlüssel deponiert hatte, konnten wir auch schon unsere Betten hören. Die Nacht war entsprechend kurz, aber die Fahrt zurück dafür erstaunlich lebhaft. Es war ein wirklich tolles Wochenende, danke an euch alle, die dazu beigetragen haben und bis zum nächsten Mal!

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HEMA genovese: Giovanni Battista Viti – Beinarbeit

Nicht nur Tambornini hinterließ uns Anweisungen zur Beinarbeit, auch Viti ein, zwei Jahre später lässt uns ziemlich ähnliche Übungen durchführen. Ein bisschen fliegender vielleicht, doch das ist dem sehr „sprunghaften“ Duellsystem geschuldet. Aber seht selbst:


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HEMA Genovese: Paolo de Scalzis Ginnastica Educativa

Paolo de Scalzi ist uns mittlerweile als Autor einiger Werke über das Stoßfechten bekannt. Außerdem schrieb er noch ein fast 300 Seiten starkes Werk zur Gymnastik für die Jugend. Es ist nicht von besonderem Interesse aber ich lasse euch trotzdem mal – wie man heute so schön sagt – die Bilder der 1861er Fassung hier.

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HEMA Genovese: Gio Battista Viti’s erste Auflage

Manchmal ist es einfach Zufall. So wie gestern als mir Sebastian Saeger, dem ich hiermit meinen tiefsten Dank aussprechen möchte, Zugang zu einigen seiner Quellen gewährte. Der Grund war zwar ein anderer aber als ich Gio Batta Viti las musste ich natürlich reinsehen ob er nicht einen schöneren Scan als ich hatte. Aber tatsächlich hatte er eine ganz ander Ausgabe als ich. Ich hatte die Version von 1864 aus Genua und er die die von 1863 aus Pisa. Die Pisaner Ausgabe ist nichtmal halb so stark, weil ihr der zweite Teil, die rechtlichen Vorschriften zum Duell (wir erinnern uns, Viti war auch Anwalt) fehlten. Dafür hatte sie aber Bilder! Und wer schonmal einen Blick riskiert hat, weiß, dass die Beschreibung der Motionen doch etwas vielfältig ist. Ich erhoffe mir hier auf jeden Fall etwas mehr Klarheit und in Zukunft eine handfestere Interpretation. VIelen Dank Sebastian!

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