Carlo Tambornini

Carlo Tambornini war Angehöriger der Marineakademie zu Genua und veröffentlichte 1862 „Breve Trattato di Scherma alla Sciabola“. Wie auch bei den anderen Autoren habe ich leider keine weiteren Informationen über diesen Fechtmeister als die, die er in seinem Buch selbst über sich preisgibt.
Sein System ist sehr kurz und pragmatisch gehalten, einige Themen, wie Fußarbeit außerhalb der Fechtlinie oder z.B. die Molinello mit Rotazione reist er nur an (Umso schöner war es genau diese Bezeichnungen etwas ausführlicher bei G.B. Viti wiederzufinden). Was ihm an Technik fehlt macht Tambornini aber mit Anwendungen wieder wett. Er widmet sich mit guten Beispielen verschiedenen Gegnertypen und dem Vorgehen gegen diese. Man findet auf den knapp 100 Seiten also alles was man braucht.
Das Buch richtet sich zwar nicht direkt an Ausbilder, man darf aber annehmen, dass die Grundlagen ihren Weg zu den einfachen Matrosen und Seesoldaten gefunden haben, die mit ihrem Entermesser entsprechend trainieren mussten.
Die Schlichtheit des Systems erinnert an den Bastone, sogar kleine Eigenheit haben sie gemeinsam. So kenne ich z.B. keine andere Säbelquelle, die für tiefe Beinparaden das Aufstellen der Klinge auf dem Boden beschreibt, eine Ausführung die ich so auch für den Bastone da passagio gelernt habe. Jedenfalls kann ich sagen, dass sich der Umgang mit dem Säbel und dem Spazierstock nicht beißen, sondern ganz im Gegenteil gut zusammenpassen.

Sein Vorwort haben ich unten in Übersetzung angefügt, hier geht es zum Blogeintrag.

 

KURZE ABHANDLUNG
DES
SÄBELFECHTENS
VON
CARLO TAMBORNINI
AUSGESCHIEDENER LEUTNANT

des ex-Bataillon der königlichen Flotte
Fechtmeister an der Marineakademie
zu Genua.

GENUA
TYPOGRAFIE PONTHENIER E C.
– 1862 –

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An den Leser

Der Einsatz von Waffen war schon immer nützlich und unverzichtbar für den Menschen, für die Wahrung seiner Rechte, die je nach Zeit mehr oder weniger Gewalt zu erleiden hatten; auf die die nachfolgenden Maßnahmen zurückzuführen sind. Und unter ihnen sind heute der Degen und der Säbel am wichtigsten, so dass es keinen Fechtsaal gibt, der nicht von vielen Lernenden besucht wird. Alle Prinzipien der Kunst oder des Handwerks wirken anstrengend und schwierig und manchmal langweilig; aber sie dürfen nicht auf halbem Weg stehen bleiben, wenn sie ihr gestecktes Ziel erreichen wollen. Deshalb lade ich jeden interessierten Leser meines kleinen Werkes ein, nicht beim lesen der Grundlagen aufzuhören; sondern eher es aufmerksam zu lesen und wieder zu lesen, alle Aktionen, die dort geschrieben sind zu studieren und sie in der Praxis mit bereits erfahrenen Fechtern umzusetzen, um daraus das Beste zu ihrer vollsten Zufriedenheit zu machen. Und ich werde froh sein, was ich in Ermangelung anderer Theorien klar dargestellt habe, das schwierige Studium des Fechtens mit dem Säbel, mit dem Angebot an unsere angesehene Armee und verdienstvolle Guarida Nationale, diese meine kurze Arbeit, leichte Frucht aus längeren und kontinuierlichen Übungen, die mit verschiedenen Meistern und Laien praktiziert wurden, zu erleichtern.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich genau mit dem Einsatz des Säbels, nach der Methode, die ich bisher als Fechtmeister im Battaglione Real Navi, Corpo Reale Equipaggi  und dem R.° Collegio di Marine angewandt habe. In dieser Arbeit finden sie interessante Aspekte über den Umgang mit dem Säbel, und einfaches und gewinnbringendes über die Manier, die am besten zur Verteidigung und zum Angriff geeignet sind, sowie die vorteilhafteste Art sich mit einem Säbel gegen jemanden bewaffnet mit einem Schwert oder aufgepflanztem Bajonette zu verteidigen, sowie die Methode viele Personen, die auf einer Linie stehen durch einen einzelnen Meister gleichzeitig zu unterrichten, begleitet von 26 Figuren zur Erleichterung ihres Studiums. Schließlich, würde ich es liebe, dass meine Arbeit, von vielen gelesen und ausgeführt wird und zum Vorteil der Kunst des Fechtens führt. Bezüglich der Lücken, die ich vielleicht nicht bemerkt habe, verweise ich gerne auf das weise Urteil meiner Kollegen.